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Zeitgenössische Kunst in altehrwürdigen Mauern

Erinnerung an Christo-Verhüllung und Umweltakzente

Monschau. In der Galerie Beumers im Tuchschererhaus in Monschau kann man zurzeit eine Rückschau halten auf eine turbulente Zeit in Monschau.

Monschau (ALE). Unter dem Titel „Christo Projekt Monschau“ wird eine einmalige Sammlung gezeigt mit Dokumenten über die Verhüllungsaktion im Herbst 1971, aber auch mit Fotos der Ausstellung „Umweltakzente“.

Vor vielen Gästen, die zur Ausstellungseröffnung gekommen waren, referierte Kaspar Vallot am Samstagnachmittag. Der Journalist, der damals zum Kunstkreis Monschau gehörte und zweifellos zu den zukunftsweisenden Ausstellungen und Aktionen Anstöße gegeben hat, kann aus erster Hand, aus eigener Erfahrung sehr lebhaft von den Jahren 1970/71 erzählen, in denen Monschau in den Kulturressorts namhafter Zeitungen erwähnt wurde.

Man fand am Eröffnungsnachmittag kaum Platz für einen ausführlichen Rundgang, und manch einer wird wohl in den nächsten Wochen noch einmal zur Galerie Beumers gehen, um in Ruhe die Fotos und Plakate zu betrachten. Sie sind zum größten Teil aus Kaspar Vallots Besitz, genauso wie die vielen Zeitungsartikel, die viele Besucher studierten, teils lächelnd, teils kopfschüttelnd. Wie die „Weltwoche“ schrieb, hatte man in Monschau versucht, „die Bürger für die moderne Kunst zu begeistern und dem Tourismus Beine zu machen“.

Kaspar Vallot führte hierzu aus, dass es sein und des Kunstkreises Bestreben gewesen sei, „in Monschaus altehrwürdigen Mauern zeitgenössische Kunst zu präsentieren“. Mutig lud man 39 Künstler ein, ihre Kunst nannten sie „Konzeptkunst“. Die Ausstellung im Frühjahr 1970 trug den Titel „Umweltakzente – die Expansion der Kunst“. Lachend erinnerte sich Kaspar Vallot beispielsweise an die „Fußgängerfalle“, in die so manch ein Monschauer hinein geriet: „Aber drinnen gab es keine Klinke, und man musste Passanten bitten, einen wieder herauszulassen!“ Dazu gab es in Monschau kräftige Kommentare, die Kaspar Vallot in herrlichem Monschauer Platt zitierte und für die Unkundigen übersetzte. Ein Beispiel: „Was Kunst ist, weiß ich nicht. Aber dass das keine Kunst ist, das weiß ich!“

Offensichtlich waren die meisten Monschauer Bürger überfordert, ja, der Kunstkreis hatte „die Volksseele zum Kochen gebracht.“ Und dennoch wagte er im nächsten Jahr das Experiment Christo. Als Vermittler trat Willi Bongard in Aktion, der Christo kannte und ihn tatsächlich für Monschau interessieren konnte.

Burg und Haller wurden verpackt, die berühmte Sicht auf die Rur mit einem Vorhang verhüllt. Diesen neuen „Sichtweisen“ begegneten die allermeisten Monschauer Bürger mit Unverständnis. Kaspar Vallot zitierte Christo: „Was ich mache, das ist für mich Kunst; das ist meine Kunst. Sie gehört niemandem, sie ist ganz und gar mein Eigentum.“

Dass inzwischen Christo ein weltweit anerkannter Künstler ist und etliche der Konzeptkünstler von den „Umweltakzenten“ es europaweit zu Anerkennung gebracht haben, soll nicht unerwähnt bleiben.

Der Besuch der Galerie Beumer ist auf jeden Fall lohnend; auch die (meist schwarz-weißen) Fotos wirken wie Kunstwerke, zeigen verwunderliche und verblüffende Momentaufnahmen.

Noch bis zum 10. Mai kann man die Ausstellung im Tuchschererhaus in der Laufenstraße Nr. 6 besuchen, sie ist geöffnet freitags bis sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr, mittwochs von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Nähere Informationen unter Telefon-Nr. 02472/9704233 oder 0172/6133395. ale

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