Online-Flirt vs. Escort Service. Jede Option hat eine eigene Zielgruppe.

Es gibt einen ganz grundsätzlichen Unterschied zwischen den beiden Optionen, die bei diesem Ratgeber in den verbalen Ring steigen, denn der Online-Flirt findet in der virtuellen Welt statt und der Escort Service ist ein Teil des realen Lebens. Bezahlt werden muss – je nach Online-Flirt-Forum – für beide Varianten, das also kann nicht das entscheidende Auswahlkriterium sein. Allein mit deutschen Dating-Börsen wurden im Jahr 2015 199,2 Millionen Euro an Umsatz generiert. Der Höchstwert lag im Jahr 2011 bei 202,8 Millionen Euro. Blenden wir den finanziellen Faktor einmal aus, sollen nun die unterschiedliche Beweggründe sowie die Zielgruppen einmal näher beleuchtet werden.

Wer flirtet online und warum?

Julian Kirchherr von der Zeit hat sich dem Phänomen Online-Dating mit Hilfe der bisexuellen Psychologie-Studentin Jessica genähert. Sie gibt diese Einblicke in ihr Online-Dating-Verhalten.

  • Als Grund für ihre Mitgliedschaft bei immerhin fünf Partnerbörsen nennt erklärt Jessica online die Menschen zu finden, denen sie offline nicht so schnell und einfach begegnen würde.
  • Beginnt sie mit einem neuen Profil investiert sie 20 Stunden pro Woche. Etwa ein Dutzend Frauen und Männer hat die 27-Jährige auch offline getroffen. 10.000 Mal ist ihr Profil bereits geklickt worden.
  • Für die Kritik an Online-Dating-Portalen gibt es durchaus Beispiele, denn auch Jessica wurden schon obszöne Bilder geschickt und unmoralische Angebote unterbreitet.

Wer sich bei der Lektüre des Beitrags über das Alter von Jessica wundert, der wird direkt belehrt, denn: „Kein Wunder also, dass Dating-Portale mittlerweile nicht mehr nur geschiedene Akademiker Mitte 40 umwerben.“ Jeder Zweite Ü30 hat bereits Erfahrungen gemacht. Eine der derzeit beliebtesten Singlebörsen richtet sich explizit an 18- bis 30-Jährige. Die mobile Variante ist indes eine Komponente, die Jessica fast schon fürchtet. Einst hat sie mit einem Mann gechattet, der ihr dann bis auf 300 Meter nahe gekommen ist, laut App.

Fazit: Jessica ist kein Einzelfall. Junge Menschen, die sich über das Internet austauschen, gibt es viele. Und auch der Online-Flirt ist längst gesellschaftsfähig geworden. Motiviert werden diejenigen, die Online-Flirten meist von der Suche nach einem Partner.

Wer nutzt einen Escort Service?

Diejenigen, die den Service eines Escort Service in Anspruch nehmen, verfolgen einen ganz anderen Ansatz, denn ein Escort Service lebt von der Realität. Frauen werden gebucht, um sich mit ihnen in der Realität zu treffen. Gemeinsam werden fremde Städte (meist auf Geschäftsreise) erkundet. Auch auf Events schmückt sich man(n) gerne mit einer adretten Lady als Begleiterin.

Michael Remke von der Welt hat diese Geheimnisse rund um die Escort Lady Avery Moore gelüftet:

  • 1394 hat die Escort Lady im Einsatz verbracht. Ihr Stundenlohn liegt bei 1000 Dollar.
  • Da sie nicht nur an einem Ort tätig ist, musste sich 60 mal via Flugzeug, 26 mal mit dem Zug und 260 mal mit dem Taxi zu ihrem Kunden fahren. 549 hat sie rein für ihren Job mit Reisen verbracht.
  • Auf ihrer ganz persönlichen Hitliste stehen 66 Besuche in Washington D.C., 22 Reisen nach San Francisco, 14 nach New York, 13 nach Las Vegas und acht nach Chicago.
  • Auf die Frage, was eine Escort Lady macht, erklärt sie, dass die 177 mal beim Essen war, 29 Bühnenshows gesehen hat und 22 „mysteriöse Dates“ hatte.
  • Die hauptsächlich verheirateten Ehemänner beschenkten sie mit überschaubaren neun Paar Schuhen und 49 Büchern.

Fazit: Wer eine Begleitung über einen Escort Service bucht, der hat eine andere Intention als beim Online-Date, denn: Gesucht wird nach einer realen Begleitung – ohne Verpflichtung. Es gilt als abgemacht, gemeinsam Zeit zu verbringen, ohne dass dabei Gefühle im Spiel sind.

Gibt es noch Flirts und Dates im realen Leben?

Die Online-Suche nach der großen Liebe und die Buchung einer temporären Begleitung stehen nicht als einzelnes Phänomen im Raum. Vielmehr scheint es einen Trend in der Zwischenmenschlichkeit zu geben, der die Idee „bis dass der Tod uns scheidet“ schnell verwirft und stattdessen sogenannte „Erlebnisgemeinschaften“ zutage fördert.

Natürlich ist diese Entwicklung nicht von heute auf morgen passiert. Der erste Schritt war vermutlich die Abkehr von der „Überlebensgemeinschaft“. In dem Moment, in dem keine (materielle oder finanzielle) Notwendigkeit mehr bestand, um des lieben Geldes willen zusammenzubleiben und die Emanzipation der Frau fortgeschritten war, stieg die Zahl der Ehescheidungen. Damit wandte sich die Gesellschaft ab von der Lebensgemeinschaft und hin zur Lebensabschnittspartnerschaft. Spannend ist auch diese Tendenz: Gerade die Jüngeren peilen noch eine Lebensgemeinschaft mit Familie an. Ältere hingegen scheinen vom Leben eines Besseren belehrt worden zu sein und suchen einen neuen Lebensabschnittspartner im Netz oder lediglich eine Begleitung für gewisse Stunden.

Wer es mit der klassischen Form der Lebenspartnerschaft versucht, muss sich der Herausforderung stellen, das „wir“ neu zu definieren. Eine Partnerschaft muss heute den jeweils individuellen Bedürfnissen und Ansprüchen an Freiheit und Selbstverwirklichung Rechnung tragen.

 

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