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Karl-Marx-Universität Trier – warum nicht?

Trier. Teile der Studentenschaft fordern seit Jahrzehnten die Umbenennung der Trierer Universität in "Karl-Marx-Universität". Bislang vergeblich…

2018 ist das Jahr von Karl Marx. Anlässlich seines 200. Geburtstags steht Trier ganz im Zeichen seines großen Sohnes, dessen Konterfei sich mittlerweile auch auf Spielgeld, Badeenten und Brillenputztüchern findet. Da liegt die Frage, ob die hiesige Universität nach dem weltweit bekannten Philosophen benannt werden soll, natürlich nicht allzu fern. In einem Schreiben hat sich Uni-Präsident Prof. Michael Jäckel vor Kurzem klar dagegen geäußert. Jäckel sieht in einer Umbenennung vor allem die Gefahr von Verengung und Entfremdung. "Im 21. Jahrhundert muss die Universität ihren Ort als gesellschaftliche Institution neu definieren. Bindungen an bestimmte Traditionen oder Personen passen nicht in diese Zeit zunehmender Herausforderungen", so Jäckel.

AStA: Kampf gegen Windmühlen

Die Bestrebungen, die Universität nach Karl Marx zu benennen, gibt es bereits seit Anfang der 80er-Jahre. Auslöser war damals eine Vortragsreihe. Es folgte ein alternatives Universitätssiegel mit dem Konterfei von Marx. Befürworten würde man vonseiten des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) zwar nach wie vor eine Umbenennung, weiß aber auch, dass die Chancen auf eine Karl-Marx-Universität sehr gering sind. "Unter den gegebenen Umständen hielten wir eine Umbenennung für reine Symbolpolitik. Zudem gleicht das Engagement einem Kampf gegen Windmühlen angesichts der geringen Mitbestimmungsmöglichkeiten der Studierenden in universitären Entscheidungsgremien", heißt es auf WochenSpiegel-Anfrage. Für eine Umbenennung wäre eine Zweidrittelmehrheit im Senat erforderlich. Dieser setzt sich derzeit aus 22 Personen zusammen, von denen allerdings nur vier Studierende sind. Nicht die einzige Hürde (siehe Hintergrund).

Neutralität signalisiert Offenheit

Dass die Trierer Uni ihren aktuellen Namen wohl beibehalten wird, hat Prof. Jäckel in seinem Schreiben klar gemacht: "Universitäten haben einen treuhänderischen Auftrag. Sie sind nicht Anwalt bestimmter Ideen oder politischer Überzeugungen. Diese Neutralität hat nichts mit Selbstaufgabe zu tun, sondern signalisiert ein zentrales Kennzeichen: Offenheit." Diese Offenheit könne durch eine neue Namensgebung verengt werden, indem sich bestimmte Gruppen von ihr angesprochen fühlten und entsprechende Studienangebote und Forschungsschwerpunkte mit ihr verbunden würden.

Name als Auftrag zur Förderung kritischer Wissenschaft?

Aufseiten des AStA wiederum sieht man allerdings kein Problem darin, wenn die Universität Trier mit dem Forschungsschwerpunkt Marx assoziiert würde. "Eine Umbenennung könnte ein Auftrag zur Förderung kritischer Wissenschaft sein. Die Vorstellung der Universität als neutrale Verwaltungsinstanz von Wissen spiegelt das heute gängige Verständnis von Wissenschaft wider, verkennt jedoch, dass vor allem in den Sozialwissenschaften sowohl die Wahl der Forschungsgegenstände als auch die personelle Besetzung der Lehre – ob reflektiert oder nicht – ein in gewisser Weise politischer Prozess der Entscheidung und des Ausschlusses ist."

AStA will nicht aufgeben

Komplett aufgeben möchte man vonseiten der Studierenden deshalb auch erst mal nicht: "Einige Mitglieder des aktuellen AStA haben im Oktober 2017 bereits einen größeren Kongress zum wissenschaftlichen und politischen Gehalt der Marxschen Theorie veranstaltet. Im kommenden Sommersemester wird vom AStA eine Veranstaltungsreihe zu Marx ausgerichtet, die unter anderem ein Vertiefungsseminar zum ersten Band des 'Kapital' beinhaltet", so der AStA. Das Referat für politische Bildung habe außerdem seine Bibliothek um aktuelle Forschungsliteratur zu Marx erweitert. "Dieses inhaltliche Angebot, das an der Universität unseres Erachtens deutlich zu kurz kommt, ist uns wichtiger als die Frage der Umbenennung."

Keine Unterstützung von außen

Auf Unterstützung von außen kann der AStA bei seinen Bemühungen für eine »Karl-Marx-Universität« wohl eher nicht hoffen. Neben Uni-Präsident Jäckel spricht sich auch der Trierer Soziologie-Professor Martin Endreß gegen eine Namensänderung aus: "Die geschichtliche Einschätzung historischer Figuren erweist sich immer wieder als wandelbar. Insofern habe ich eine ausgeprägte Sympathie für die schlichte Benennung von Universitäten nach ihren Standorten." Vonseiten der Stadt Trier möchte man sich auf WochenSpiegel-Anfrage übrigens nicht zum Thema äußern und verweist darauf, dass die Uni eine Einrichtung des Landes Rheinland-Pfalz sei. Und der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf hat ebenfalls eine klare Haltung: "Karl Marx ist zweifelsohne der berühmteste Trierer und ein herausragender Philosoph und politischer Denker. Die Entscheidung, ob eine Einrichtung seinen Namen tragen sollte, sehen wir jedoch in Verantwortung derjenigen, die diese Institution mit Leben füllen; somit bei der Universität selbst. Sollte der Wunsch hier geäußert werden – und dies sehen wir zurzeit nicht – setzen wir uns gern hiermit auseinander."

Hintergrund: Uni-Umbenennung

  • Für eine Umbenennung müsste eine Änderung der Grundordnung der Universität beantragt werden.
  • Eine Änderung der Grundordnung muss wiederum vom zuständigen Ministerium genehmigt werden.
  • Der Senat der Universität müsste mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen.
  • Auch der Hochschulrat hat ein Mitbestimmungsrecht.

Lesen Sie mir

Das ausführliche Interview mit dem AStA finden Sie hier. Zum Schreiben von Uni-Präsident Prof. Michael Jäckel geht es hier.

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