Bürger zeigen Solidarität mit Mitarbeitern

Adenau. Rund 250 Bürger nahmen an einer Mahnwache vor dem St. Josef-Krankenhaus in Adenau teil. Der Stadrat beschloss eine Resolution zum Erhalt des Krankenhauses.

Der Notarztdienst am Standort Adenau ist gerettet. Und auch für die Chirurgie wurde eine Lösung erarbeitet (mehr dazu hier). Dass diese Lösung einer stark abgespeckten Chirurgie weit entfernt ist von dem, was die Bürger und die Lokalpolitik im Adenauer Land erwarten, wurde am gestrigen Donnerstag sowohl bei einer Mahnwache vor dem St. Josef-Krankenhaus als auch bei der anschließenden Sitzung des Adenauer Stadtrates deutlich. Zu der Mahnwache hatte die Bürgerinitiative "Erhalt des St. Josef-Krankenhaus" aufgerufen und um zahlreiches Erscheinen mit Kerzen und Lämpchen - besonders gerne "Kinder mit Laternen" - gebeten. Dieser Einladung waren viele Bürger gefolgt. Annabelle und Kira Thiesen unterstützten die Mahnwache mit handgemachter Musik.

Mit der Mahnwache wollten die Bürger einerseits vor einer kompletten Schließung des Krankenhauses mahnen, andererseits zeigen, dass der Kampf für eine andere als der jetzt vorgesehenen Variante der Chirurgie noch nicht vorbei ist. Zudem bekundeten sie somit ihre Solidarität mit den Krankenhaus-Mitarbeitern. Davon zeigte sich der letzte verbliebene Chirurg im Krankenhaus sichtlich berührt. "Oft wird in Deutschland über Zwei-Klassen-Medizin zwischen Privat- und Kassenpatienten geredet. Das ist Quatsch. Die einzige Zwei-Klassen-Medizin, die ich sehe, ist die zwischen Land und Stadt", sagte der in Bonn wohnende Arzt in einer kurzen Ansprache: "Ihr bezahlt die gleichen Krankenkassenbeiträge wie die Leute in Köln, Berlin oder Koblenz. Dann habt ihr das Recht, die gleiche Versorgung zu haben wie woanders. Macht Druck. Lasst euch das nicht gefallen." Ihm seien die Menschen in Adenau und Umgebung während seiner Zeit am Adenauer Krankenhaus ans Herz gewachsen. "Genau hier soll eine chirurgische Praxis reichen? Niemals!", ergänzte er.

"Wir sind noch lange nicht fertig und am Ende erst recht nicht. Die über 14.000 Unterschriften, die wir in den Tagen zuvor sammeln konnten, bestärkten uns noch mehr in unserem Denken", erklärte Sandra Tibo im Namen der Bürgerinitiative gegenüber dem WochenSpiegel: "Wir wollten den Schock über den Bericht der Landesregierung vom vorherigen Tag für 30 Minuten beiseiten schieben und mit den etwa 250 Anwesenden das Wir-Gefühl genießen, in uns kehren und Kraft tanken für das, was vor uns liegt."

So waren auch die Zuschauerplätze in der Hocheifelhalle zu Beginn der Stadtratssitzung erwartungsgemäß gut gefüllt. Rund 70 Bürger wohnten ihr bei. Die Bürgerfragestunde zu Beginn der Siztung drehte sich dann ausschließlich um die Krankenhaussituation. "Das ist nichts, das ist das Ende des Krankenhauses", war sich ein Bürger hinsichtlich der Chirurgie-Lösung sicher. "Welcher Arzt sollte sich melden und in eine Chirurgie-Praxis investieren, wenn er weiß, dass er in einem Jahr aufhören muss?", fragte ein anderer. Ein weiterer Bürger regt an, dass ein Klage gegen das Land zu prüfen sei. Ob es Möglichkeiten gebe, das Krankenhaus in staatliche Trägerschaft zu überführen, wollte ebenfalls ein Bürger wissen. Stadtbürgermeister Arnold Hoffmann erklärte, dass die Entscheidungen zum Krankenhaus auf Landesebene gefällt werden. Die lokalen Akteure hätten keine Entscheidungsbefugnisse.

Auf der Tagesordnung stand auch die Verabschiedung einer Resolution des Stadtrates zum Erhalt des Krankenhaus. Zwar hatte Hoffmann zu Beginn der Sitzung angekündigt, dass er an dieser Stelle noch einiges zum Krankenhaus sagen werde, dennoch verließ ein Großteil der Besucher die Halle nach der Fragestunde bereits. "Der Krankenhausträger hat den Versorgungsauftrag vom Land. Wenn er sagt, dass er dem nicht mehr nachkommen kann, dann ist das erst einmal so", sagte Hoffmann. Gegen die Marienhaus Kliniken GmbH, die das St. Josef-Krankenhaus betreibt, erhob er schwere Vorwürfe: "Es sind anerkannte und qualifizierte Chirurgen gegangen. Die Häufigkeit der Abgänge war auffällig. Das wurde zum Teil bewusst herbeigeführt, um die Politik unter Druck zu setzen." Der Vorwurf der Marienhaus GmbH, dass die Bevölkerung das Krankenhaus nicht annehme, sei vor diesem Hintergrund "eine riesengroße Unverschämtheit".

Hoffmann resümierte den Verlauf des Ereignisse. In Gesprächen mit dem Land habe die Marienhaus GmbH bewirkt, dass sie den staatlichen Sicherstellungszuschlag in Höhe von 400.000 Euro jährlich entgegen die eigentlichen Auflagen auch mit dem abgespeckten Chirurgieangebot erhalte. Zudem habe die GmbH im November angekündigt, die Notarztgestellung 2020 abzugeben. "Die haben also nicht nur die Chirurgie über Bord geworfen. Die haben den Sicherstellungszuschlag in Höhe von 400.000 Euro im Sack und 250.000 Euro gespart, die sie nicht mehr für den Notarzt ausgeben müssen. Das sind die nackten Zahlen", so Hoffmann. Und zur Chirurgie: "Was wir jetzt in Adenau haben, ist eine Krücke. Die Situation ist komplett unbefriedigend." Jetzt gelte es für die Marienhaus GmbH, das Vertrauen, das sie zerschlagen habe, wieder aufzubauen. Das werde aber mühselig.

Eine gute Lösung sei aber mit der Übernahme des Notarztdienstes durch das Rote Kreuz erreicht worden. Einstimmig beschlossen hat der Stadtrat die Resolution zum Erhalt des Adenauer Krankenhauses. Im Vergleich zur Version, der die Räte der Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr zugestimmt hatten (mehr dazu hier), war die Resolution aufgrund der neuen Entwicklungen leicht abgeändert worden.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.