Wenn Alkohol zum Problem wird

Ahr. Eine große Resonanz gab es in der vergangenen Woche auf die anonyme Telefonaktion für WochenSpiegel-Leser zum Thema "Alkohol". Hier sind einige der Fragen und Antworten.

Viele Leser haben das Gespräche zu den Expertinnen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gesucht. Einige der Fragen und Antworten haben wir für unsere Leser gesammelt.

Abends brauch ich mein Bier, oft werden es aber drei, vier... Morgens nehme ich mir immer vor, abends weniger zu trinken, scheitere aber. Wie kriege ich die Kurve?

Ignorieren Sie Gedanken wie: "Ich brauch' jetzt dringend ein Bier." Sagen Sie sich stattdessen: "Jetzt fällt es mir gerade sehr schwer, nichts zu trinken. In fünf Minuten wird das allerdings schon wieder anders aussehen." Überlegen Sie sich, wie Sie den Abend auf eine andere Weise verbringen können. Welche Alternative gibt es, sich zu entspannen? Eine Hilfe kann es auch sein, erst gar keinen Alkohol zu Hause zu haben. Wenn es trotzdem nicht gelingt - scheuen Sie sich nicht, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Die Experten dort sind nicht nur für alkoholkranke Menschen da. Sie können auch vorsorglich bei einer Reduktion helfen. Adressen von Suchtberatungsstellen finden Sie zum Beispiel unter www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme, Rubrik Service.

Wie viel kann man eigentlich trinken, ohne sich zu schaden?

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Männern nicht mehr als zwei Gläser, Frauen nicht mehr als ein Glas Alkohol pro Tag zu trinken. Es handelt sich dabei um kleine Gläser: das entsprechende Bierglas fasst 0,3 Liter, das Weinglas einen Achtel Liter, das Schnapsglas 40 Milliliter. In jedem Glas stecken zehn bis zwölf Gramm reiner Alkohol. Zwei aufeinander folgende Tage pro Woche sollten alkoholfrei sein, um eine Abhängigkeit vom Alkohol zu vermeiden.

Mein Schwager trinkt seit Jahren. Ansonsten ist er ein netter Typ. Bringt es etwas, wenn wir uns als Familie mit ihm hinsetzen und das Problem ansprechen?

Versuchen Sie einzeln und mit genug Zeit mit ihm zu sprechen, zum Beispiel zwanglos auf einem Spaziergang. Wenn Sie als Familie auftreten, könnte schnell die Situation eines Gerichts entstehen und Ihr Schwager sich in die Ecke gedrängt fühlen, anfangen sich zu verteidigen und Ihre Hilfe nicht annehmen.
 
Wie kann man so ein unangenehmes Gespräch über Alkoholprobleme am besten beginnen?

Damit, dass man sagt, dass man sich Sorgen um den Menschen macht, der zu viel trinkt. Am besten bleibt man dabei in der Ich-Form, erklärt also wie man selbst die Situation wahrnimmt und welche Gefühle das auslöst. Auf Schuldzuweisungen sollte man verzichten, da sie einem zielorientierten Gespräch nicht förderlich sind. Sie dürfen aber Ihre eigenen Grenzen klar machen, und dass Sie erwarten, dass sich etwas ändern muss.


Mein Mann trinkt abends zwei Halbliterflaschen Bier, am Wochenende mehr. Was kann ich dagegen tun?

Sagen Sie ihm – wenn er nüchtern ist – in aller Ruhe, was Sie empfinden, wenn er so viel trinkt und bitten Sie ihn, das zu ändern. Wenn er Ihre Bitte erfüllen will, können Sie zusammen einen Zeitrahmen festlegen, in dem Sie beide überprüfen, ob es funktioniert. Wenn er weiter trinken will, können Sie gemeinsam mit einer Fachberaterin überlegen, wie Sie mit dem Problem umgehen möchten. Suchtberatungsstellen beraten auch die Angehörigen.

Hier gibt es Hilfe

- Sucht-Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: 0221/892031
Mo.-Do.: 10-22 Uhr, Fr.-So.: 10-18 Uhr
- www.bzga.de/Infomaterialien
- Für Jugendliche unter 16 Jahre: www.null-alkohol-voll-power.de
- Für Jugendliche von 16 bis 20 Jahre: www.kenn-dein-limit.info 
- Für Erwachsene (u.a. mit Tipps für Eltern): www.kenn-dein-limit.de

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