"Wir Ahrtaler halten auch in der Krise zusammen"

Ahr. Es ist kein Jahr wie jedes andere – auch nicht für Weinköniginnen. Doch wie repräsentiert man Wein und Winzer in Zeiten der Corona-Krise? Ahrweinkönigin Eva Lanzerath erzählt im WochenSpiegel-Gespräch, wie sie die Zeit genutzt hat.

Wie haben sie als amtierende Ahrweinkönigin die vergangenen Monate, die von Corona bestimmt waren, empfunden?

Ich werde immer wieder darauf angesprochen, ob ich die Corona-Zeit als "Loch" oder Unterbrechung meiner Amtszeit empfunden habe. Aber das sehe ich überhaupt nicht so. Ich habe versucht, so gut es ging weiter zu machen. Vor allem Social Media konnte ich nutzen, um präsent zu sein und besonders die kleineren Winzer auch über die Grenzen der Ahr hinaus bekannter zu machen. Außerdem habe ich - auch mit dem Ahrwein e.V. und dem Deutschen Weininstitut zusammen - Videos gedreht, um die Winzer in dieser Zeit zu unterstützen. Es war mir einfach ganz wichtig, nach außen hin zu zeigen, dass das Ahrtal lebt.

Gerade erst standen Sie einen Tag vor der Kamera und wurden von einem SWR-Team begleitet, das ein Portrait über Sie gedreht hat. Wie war das für Sie?

Der Tag war natürlich total aufregend, aber auch anstrengend. Abends, als die Anspannung von mir abgefallen ist, bin ich nur noch todmüde von den vielen Eindrücken ins Bett gefallen. Es hat aber trotzdem unglaublich viel Spaß gemacht und ich bin schon auf das Ergebnis gespannt. Darauf muss ich allerdings selber noch warten. Das Video werde ich wohl auch erst im September sehen.

Damit sind wir schon beim Thema: Am 25. September wird – trotz Corona-Krise – die Deutsche Weinkönigin gewählt und sie sind eine der Kandidatinnen. Wie bereiten Sie sich auf die Wahl vor?

Ich komme zum Glück selber aus einer Winzerfamilie und kann da schon sehr viel mitnehmen. Mein Onkel hilft mir im Bereich Weinbau, mein Schwager im Bereich der Sensorik und auch mein Freund ist aus der Branche. Er ist Winzermeister und zeigt mir vor allem die Kellerarbeit. Aber alle Winzer an der Ahr sind sehr offen und helfen mir, wo sie können. Ich kann wirklich jederzeit vorbeikommen und habe viele Ansprechpartner, wofür ich sehr dankbar bin. Nicht jedes Anbaugebiet entsendet dieses Jahr eine Kandidatin. Errechnen Sie sich höhere Chancen aufgrund der kleineren Teilnehmerinnenzahl? Ich habe keine großen Erwartungen, ich möchte den Tag einfach genießen, Spaß haben, mein Bestes geben und zeigen, was ich kann. Ich denke, es ist das Beste, locker zu sein und nicht zu verbissen an die Sache heranzugehen. So habe ich es auch bei der Wahl zur Ahrweinkönigin gehandhabt. Und als Orts- und Ahrweinkönigin habe ich schon viele schöne Erfahrungen gemacht und bin einfach stolz auf mich. Die anderen Kandidatinnen kenne ich zum Teil aber auch noch gar nicht persönlich. Erst im August haben wir ein dreitägiges Vorbereitungsseminar in Mainz, bei dem wir uns alle treffen und kennenlernen.

Bis zur Wahl dauert es aber noch. Was steht in den nächsten Wochen an?
Mein Terminplan war in diesem Jahr natürlich noch relativ leer. Und noch ist es ja auch sehr unsicher, wie es genau weitergeht. Aber es gab auch einige wenige Termine, die anstanden, wie die Verkostung des Ahrwein des Jahres. Und man merkt auch immer mehr, dass die Menschen wieder raus möchten und von daher bin ich positiv gestimmt, dass es in den nächsten Wochen wieder mehr für mich als Ahrweinkönigin zu tun gibt.

Womit hoffen Sie, bei der Jury zu punkten?

Auf jeden Fall mit meiner Lockerheit, meiner positiven Ausstrahlung und meinem Lächeln. Aber jede Kandidatin und jedes Anbaugebiet haben ihre Besonderheiten. Der Vorteil der Ahr: Wir sind zwar ein vergleichsweise kleines Anbaugebiet, aber wir halten alle zusammen und das macht es aus!

Wie wichtig sind Familie und Freunde in dieser Zeit?

Sehr wichtig - alle in meinem Umfeld fiebern mit und unterstützen mich, vor allem, wenn es mal stressig wird. Meine Eltern sind sogar noch nervöser als ich. Sie überlegen auch schon, wie sie die Wahl - trotz der Umstände und der fehlenden Fans - für mich schönmachen können. Wir hoffen, vielleicht ein Public Viewing im Dorf veranstalten zu dürfen.

Ihre Amtszeit wurde um ein Jahr, auf 2021, verlängert. Mussten Sie lange überlegen oder waren Sie direkt bereit, die Krone noch länger zu tragen?

Die Verlängerung meiner Amtszeit war für mich überhaupt kein Problem. Ich bin Studentin und daher flexibel in meiner Zeiteinteilung. Ich habe mich jetzt darauf eingestellt, dass ich in meinem Studium in dieser Phase nicht immer Vollgas geben kann und gegebenenfalls noch ein Semester hinten dranhängen muss. Sobald ich den Abschluss habe, fragt aber niemand mehr, wie lange ich gebraucht habe niemand. Ich habe also nicht lange gezögert und überlegen müssen, als ich gefragt wurde, ob ich weitermache. Außerdem hätte ich mir nicht vorstellen können, dass das Ahrtal in dieser Zeit keine Repräsentantin gehabt hätte. Das wäre auch nach außen, zum Beispiel für Touristen, kein gutes Zeichen gewesen.

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