Ein Volltreffer beendete die Kindheit

Walporzheim. Dr. Hasso Pacyna gehört der Generation an, die im Zweiten Weltkrieg als Kindersoldaten eingesetzt war. Über seine Erinnerungen hat er ein Buch geschrieben.

»Das Wort ,Kindersoldat‘ habe ich erst im Nachhinein benutzt. Früher fühlten wir uns nicht so«, erzählt Dr. Hass Pacyna. Der 89-Jährige gehört jener Generation an, die als Jugendliche im Zweiten Weltkrieg zum Kriegsdienst herangezogen wurden. Vor 75 Jahren, am 15. Februar 1943, wurden die ersten jungen Männer der Geburtsjahre 1926 und 1927 als Luftwaffen- und Marinehelfer eingezogen.
Hasso Pacyna musste seinen Dienst als Flakhelfer am 26. Januar 1944 antreten. »Ich hätte es damals als Makel empfunden, wenn ich nicht eingezogen worden wäre«, erinnert er sich.

Viel Zeit im Luftschutzbunker

Da er in Berlin geboren wurde und dort mit seinen Eltern bis Mitte 1943 lebte, verbrachte er viel Zeit im Luftschutzbunker.  »Wir waren immer hibbelig, wenn wir im Bunker saßen und nichts tun konnten«, berichtet Pacyna. Die Wohnung, in der mit seinen Eltern, seiner Schwester Barbara und seinem Bruder Heiko lebte, war nach zwei Luftangriffen unbewohnbar geworden. Daher rührte der Eifer, nun endlich eingreifen zu können.
Oft zu Hause war er bis zu seinem Kriegseinsatz allerdings nicht. Mehrfach war Hasso Pacyna im Ernteeinsatz und auf Kinderlandverschickung. Stationiert war er zunächst am Tegeler See am nordwestlichen Rand Berlins.
Später, im Sand der Märlischen Heide, stießen die jungen Soldaten bei Grabungsarbeiten sogar auf ein altes Urnenfeld. Zwar beschossen Hasso Pacyna und seine Kameraden immer wieder Jagdflugzeuge. Angriffen waren sie jedoch nicht ausgesetzt. Oft schien aber gute Stimmung zu herrschen und die Jugendlichen heckten sogar Streiche aus.
Doch irgendwann drehte sich das Empfinden. »Im September 1944 war meine Kindheit zu Ende«, sagt Hasso Pacyna. Die Befehlsstelle, der die Flak-Stellung unterstellt war, bekam einen Volltreffer ab. Der Angriff forderte acht Tote. In den Trümmern fand der damals 16-Jährige das Bein eines Kameraden, das er zum Sammelpunkt bringen musste.
Am 6. Mai 1945 kapitulierte die Einheit von Hasso Pacyna an der Elbe nördlich von Magdeburg. Die folgenden Wochen  bis zum 22. Juni verbachte er in Gefangenenlagern. Drei Tage später konnte er seine Mutter wieder in die Arme schließen.

Erinnerungen aus der Feldpost

Da seine vier Söhne Hasso Pacyna oft fragten, was er in seiner Jugend gemacht hat, wollte er das Buch schreiben. »Heute geht es mir darum, dass die Luftwaffenhelfer in Erinnerung bleiben«, sagt er.
n  Grundlage für das Buch sind die Feldpostbriefe, die er seiner Mutter schrieb und ihrem Nachlass fand. Sie hatte die Briefe sorgfältig aufbewahrt. Diese Briefe hat Hasso Pacyna mit dem Computer abgetippt
n  »Luftwaffenhelfer – Eine aussterbende Generation«, 132 Seiten, erschienen im Eigenverlag, 12,90 Euro, ISBN 978-3-00-058577-7

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Hetzerath im ganz großen Stil

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