Saal des Zunfthauses wird abgerissen

Ahrweiler. Das "Forum Altes Zunfthaus" in Ahrweiler ist für die Betreibergesellschaft unrentabel und wird vier Reihenhäusern weichen.

Das Zunfthaus in der Ahrweiler Oberhutstraße hat eine traditionsreiche Geschichte. Auch der nebenstehende Saal, der heute die Bezeichnung "Forum Altes Zunfthaus" trägt, ist vielen Ahrweilern von zahlreichen Festen bekannt. Doch das Festgebäude wird nicht mehr lange stehen. Für die Frank & Hagenau GbR, der das Gebäude seit 2005 gehört, ist es nicht mehr finanziell tragbar.

"Deshalb haben wir uns entschlossen, anstelle des Saales Wohnungen in der schönen Altstadt zu bauen", erklärt Joachim Frank gegenüber dem WochenSpiegel: "Geplant sind vier Reihenhäuser, die sich harmonisch an das Zunfthaus anpassen." Das alte Zunfthaus, das neben dem Saal liegt und in dem Petra Hagenau ihre Goldschmiede betreibt, bleibt bestehen. Geplant ist der Abriss für das Frühjahr.

Lange hat die Eigentümergesellschaft versucht, das Gebäude zu halten. Nach dem Erwerb hat sie es 2006 kostenintensiv und mit viel Engagement renoviert. Seitdem vermietet sie es an Vereine und für private Veranstaltungen. "Wir haben gehofft, dass dieses Engagement mit viel Interesse aufgenommen wird", sagt Frank: "Leider hat sich jedoch gezeigt, dass die Vermietungen von Jahr zu Jahr weniger wurden." Vor nicht allzu langer Zeit musste zudem das Dach repariert werden. Auch jetzt besteht im Saal wieder Renovierungsbedarf.

Außerdem stellten die Eigentümer fest, dass bei einigen Veranstaltungen die Geräuschbelastung für die Anwohner zur Zumutung wurde.

Neues Nutzungskonzept scheiterte an Sponsoren

Wirtschaftlich negativ ausgewirkt hat sich laut Frank zusätzlich die gesponserte Vermietung der Zehntscheuer der katholischen Pfarreiengemeinschaft, die nicht mehr als 250 Meter entfernt liegt. Auch das größere Helmut-Gies-Bürgerzentrum befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft.

Im vergangenen Jahr hat Petra Hagenau als Miteigentümerin der Immobilie mit einigen Ahrweiler Bürgern ein Konzept entwickelt, auf dessen Grundlage eine bessere Nutzung möglich werden sollte. "Leider scheiterte dieses Vorhaben an den fehlenden Sponsoren", berichtet Joachim Frank. Mit den Bürgerschützen, dem Königsglied, den Junggesellen Schützen und der Hutengemeinschaft sind dem "Forum Altes Zunfthaus" einige treue Mieter bis zum Schluss erhalten geblieben. Sie müssen sich nun - ebenso wie die Band "Erzeugerabfüllung" für ihr traditionelles Weihnachtskonzert - neue Veranstaltungsorte suchen.

Ursprünglich stand auf dem Gelände ein Bauernhof, der der Familie Heydinger gehörte. 1891 kaufte dies der Katholische Gesellenverein Ahrweiler, heute Kolpingsfamilie, um eine Versammlungs- und Begegnungsstätte zu bauen. Ganz im Sinne von Adolph Kolping sollten so ein Heim mit Unterkunft für wandernde Gesellen, eine Begegnungsstätte für die eigenen Mitglieder sowie Bildungsmöglichkeiten für junge Handwerker und Kaufleute geschaffen werden. Die Nebengebäude des Hofes wurden abgerissen und ein rund 220 Quadratmeter großer Saalbau errichtet. 1892 wurde die "Aktiengesellschaft Katholisches Gesellenhaus zu Ahrweiler" gegründet.

Besitzer wechselten mehrfach

Dieses Heim sollte gleichzeitig eine Bildungsstätte für Gesellen, Meister und Kaufleute von Ahrweiler sein. Der Verein "Kath. Gesellenheim", der ein wohnliches Heim für Wanderburschen einrichtete, übernahm mit der Zeit alle Aktien und wurde so Eigentümer des Gebäudes. Eine schlechte wirtschaftliche Lage, Repressalien der Nationalsozialisten gegen den Verein und der Verlust von Mitgliedern durch die Kriege zwangen die Kolpingsfamilie, das Haus 1938 dem TuS Ahrweiler zu verkaufen. Der Sportverein gab das Gebäude später an die Kirchengemeinde St. Laurentius Ahrweiler zurück, erhielt dafür von der Gemeinde ein Grundstück an der Gierenzheimer Straße.

Aus wirtschaftlichen Gründen verkaufte die Kirchengemeinde wiederum 1977 die Gaststätte mit angeschlossenem Festsaal an die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die den bisherigen Namen "Kolpinghaus" ändern musste und den Saal in "Zunfthaus Ahrweiler" umbenannte. Von 1999 bis 2005 war das Haus erneut im Besitz des TuS Ahrweiler, bevor es an die heutige Besitzerin, die Frank & Hagenau GbR, verkauft wurde. x

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