Statt 40-Watt-Lampen ein beeindruckendes Geschichtsgut

Ahrweiler. Vor zehn Jahren eröffnete die Dokumentationsstätte Regierungsbunker ihren Betrieb. Dass kürzlich sogar der 800.000. Besucher begrüßt wurde, hatte damals niemand geahnt. Zum Festakt war auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer nach Ahrweiler gekommen.

„Wenn man einen Teil des Bunkers nicht zurückbaut, spart man viel Geld.“ Das sei schließlich das Argument gewesen, mit dem er die Verantwortlichen davon überzeugt habe, ein rund 200 Meter langes Stück des ehemaligen Regierungsbunkers oberhalb von Ahrweiler im Originalzustand zu belassen, erklärte Florian Mausbach schmunzelnd. Die Ersparnis habe sich allerdings als nicht wahr erwiesen. Doch der Erhalt dieser 200 Meter waren der Grundstück für eine zehnjährige Erfolgsgeschichte. Denn dahinter steckte Mausbachs Idee, diesen Bunkerteil der Nachwelt zu erhalten und in eine Dokumentationsstätte umzuwandeln. Damals war er Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung. Die Dokumentationsstätte wurde 2008 eröffnet.

Festung des Kalten Krieges

Mit einem Festakt wurde nun ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Ob römischer Limes, Burg Eltz oder Festung Ehrenbreitstein – aus allen Jahrhunderten bewahre man Festungen, sagte Mausbach bei seiner Ansprache. Und der Regierungsbunker sei die Festung des Kalten Krieges gewesen, so Mausbach. Für ihn war es das erste Mal nach zehn Jahren, dass er in den einstigen Bunker zurückkehrte. „Jetzt kann ich meiner Frau einmal den Bunker zeigen, über den ich so viel spreche“, sagte er augenzwinkernd. Ihren ersten Besuch in der Dokumentationsstätte absolvierte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Letztes Jahr war ich selbst noch Mitglied eines Verfassungsorgans“, berichtete sie in ihrer Ansprache im Hinblick auf ihre Präsidentschaft im Bundesrat: „Da bin ich oft darauf angesprochen worden, ob ich mir den Bunker schon angeguckt hätte.“ Der ehemalige Regierungsbunker und die Berliner Mauer sind die größten Relikte aus der Zeit des Kalten Krieges. „Welch ein Glück, dass von beiden nur noch Teile stehen“, sagte Dreyer. Die Dokumentationsstätte sei eine wichtige Erinnerungsstätte an die Zeit, die klarmache, dass Weltfrieden nicht selbstverständlich sei. „Wenn man heute manche politische Debatte verfolgt, hat man nicht das Gefühl, dass die Erinnerungen noch sehr präsent sind“, kommentierte die Ministerpräsidentin: „Besonders freut es mich, dass die Dokumentationsstätte für junge Menschen attraktiv gestaltet ist und die Zahl der Schülerbesuche stetig ansteigt.“

Andere Voraussetzungen

Dass sich ein Verein mit 700 Mitgliedern solch ein Mammutprojekt zutraue, sei nicht alltäglich, sagte Dreyer an die Adresse des Heimatvereins Alt-Ahrweiler. Der Verein hat seit Beginn die Trägerschaft inne. Allerdings, so erklärten die Festredner unisono, sei der Verein damals von anderen Voraussetzungen ausgegangen. Florian Mausbach hatte verschiedene Institutionen, darunter den Kreis Ahrweiler und die Stad Bad Neuenahr-Ahrweiler, als Träger angefragt. Landrat Dr. Jürgen Pföhler eröffnete dem Vereinsvorsitzenden Dr. Wilbert Herschbach im Sommer 2004 gegenüber, dass der Verein doch die Trägerschaft übernehmen könne. „Nach einer Schrecksekunde – es können auch drei oder vier gewesen sein – fassten Sie sich und erbaten Bedenkzeit“, erwähnte Pföhler beim Festakt in Richtung Herschbach. Wenige Tage später habe der Heimatverein zugesagt. Herschbach erinnerte sich daran, was Pföhler damals gesagt habe: „Dann öffnen Sie alle zwei bis drei Wochen für interessierte Besucher und bringen alle 20 bis 30 Meter eine 40-Watt-Lampe an.“ Pföhler gab nun zu: „Damals hatte ich noch nicht mit meinem Bauamt gesprochen.“

800.000. Besucher

Die Entwicklung, die die Dokmentationsstätte nahm, ahnte keiner der Beteiligten damals. Vor einigen Tagen erst wurde der 800.000. Besucher begrüßt. Dem bis heute währenden Engagement des Vereins zollten die Festredner viel Respekt. Bürgermeister Guido Orthen bezeichnete die Dokumentationsstätten-Leiterin Heike Hollunder respektvoll als „Mutter der Ausstellung“. Geheim war die Anlage spätestens seit 1984 nicht mehr, als der Journalist Michael Preute, der später unter dem Pseudonym Jacques Berndorf zahlreiche Eifel-Krimis veröffentlichte, ein Buch über seine Recherchen zum Regierungsbunker veröffentlichte. Dennoch rankten sich viele Mutmaßungen um das Bauwerk.

Keine Bar um Regierungsbunker

Wie viele andere Bewohner des Ahrtals ging auch Pföhler einst von einem gewissen Standard unter Tage aus. Vor seiner Landratszeit sei er als Ministeriumsmitarbeiter dazu auserkoren gewesen, an einer sogenannten Frontex-Übung im Regierungsbunker teilzunehmen. In diesen regelmäßigen Übungen wurde der Krisenfall simuliert. „Ich habe vorher einige ältere Kollegen gefragt, ob es im Bunker eine Bar gebe, an der man abends mit Kollegen beim Bier über die sicherheitspolitische Ausrichtung diskutieren könne“, erinnerte er sich. Nachdem die Kollegen ihn über die wahre Ausstattung des Bunkers aufgeklärt hatten, sei es ihm gelungen, die Aufgabe an einen jüngeren Kollegen abzugeben.

Mehr zur Dokumentationsstätte Regierungsbunker gibt es hier:

http://www.wochenspiegellive.de/ahr/bad-neuenahr-ahrweiler/artikel/kalter-krieg-unter-dem-ahrwein-52332/

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