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»Es ist Leidenschaft und Zwang zugleich«

Dirk Unschuld ist Archivar des 1. FC Köln

Lantershofen. Dirk Unschuld aus Lantershofen ist seit 2003 Archivar des Bundesligisten 1. FC Köln. Mit »Geißböcke mit Fernweh« hat er jetzt sein viertes Buch über den Traditionsverein veröffentlicht.

»Als FC-Fan habe ich schon immer viel über den Verein gesammelt. Angefangen hat das allerdings mit meinem ersten Stadionbesuch 1982. Damals war ich acht Jahre alt und habe das Programmheft zur Begegnung mitgenommen«, beschreibt Dirk Unschuld den Beginn seiner Leidenschaft. Seit dem ist er ständig auf der Suche nach Schrift- und Erinnerungsstücken, die in irgendeiner Form die Geschichte des 1. FC Köln dokumentieren von Ausgaben des Geißbock Echos, so heißt die Vereinszeitung, Publikationen des Vereins, Zeitungsartikel bis hin zu Eintrittskarten Abrechnunge und Briefen. Unter anderem kam durch den Kontakt zu älteren Vereinsmitglieder an besagte Memorabilia. »Anhand von Artikeln über Ehrungen in der Vereinszeitung habe ich die Namen langjähriger Mitglieder herausgefunden. Die habe ich anschließend im Telefonbuch gesucht und angerufen. Schließlich gab es noch kein Internet«, erzählt Unschuld.

Traum vom ersten Buch verwirklicht

Mit der Sammelleidenschaft wuchs auch das Interesse an der Geschichte des Fußballclubs. »Mein Freund Thomas Hardt und ich verwirklichten 2007 unseren Traum, mal ein richtiges Buch zu machen und wir veröffentlichten ‚Im Zeichen des Geißbocks‘. Der Verlag ging damals ein beträchtliches Risiko ein, aber das Buch ist ein Erfolg geworden. Mittlerweile ist die dritte Auflage erschienen und der FC hat das Buch legitimiert«, sagt der Autor. Nach dem Erstlingswerk wurde der Verein aufmerksamer.

Interesse an der Vereinsgeschichte

»Man hat gemerkt, das auch die Fans Interesse an der Vereinsgeschichte haben. Der Verein baute ein Museum auf und machte mich zum Archivar. Von 2007 bis 2012 habe ich ehrenamtlich die Geschichte des Vereins aufgearbeitet und im Archiv ‚klar Schiff‘ gemacht«, berichtet Unschuld. Immer mehr Arbeit durch Anfragen von Fernsehanstalten und anderen Medien, machte schließlich eine ehrenamtliche Betreuung des Archivs unmöglich. »Die Vereinsführung kam auf mich zu und bot mir den Posten als offizieller Archivar an«, sagt Unschuld. Seinen gelernten Beruf als Altenpfleger hängte Unschuld 2012 an den Nagel.

Hobby zum Beruf gemacht

Seit 2007 hat Dirk Unschuld noch drei weitere Bücher veröffentlicht. Nach »Als der Geißbock Moped fuhr« und dem Personenkompendium »Mit dem Geißbock auf der Brust«, folgt jetzt »Geißböcke mit Fernweh«. Immer wieder, wenn Dirk Unschuld heute ein historisches Schriftstück aus der Vereinsgeschichte – Vorgängerclubs inbegriffen – in die Hände bekommt, freut er sich nach eigenen Angaben »wie ein kleines Kind«. »Es ist Leidenschaft und Zwang zugleich, aber es ist wunderbar, wenn sich wieder ein Puzzleteil in das große Ganze einfügt«, sagt der FC-Fan. Mit seinem »Eff-Zeh« fiebert Dirk Unschuld natürlich nicht nur auf dem Papier mit. »Ich bin bei jedem Spiel im Stadion«, sagt der 43-Jährige.

Das Buch: Geißböcke mit Fernweh

Der 1. FC Köln hat sich 2017 wieder für den Europapokal qualifiziert – nach 25 endlos scheinenden Jahren. FC-Archivar und Autor Dirk Unschuld nahm die erste Europa-League-Saison zum Anlass, auf die internationalen Auftritte des Traditionsverein zurückzublicken. n Geißböcke mit Fernweh – der 1. Fc Köln und seine internationalen Spiele ist im Verlag Die Werkstatt erschienen und beinhaltet unter anderem 400 teils unbekannte Fotos. ISBN: 978-3-7307-0372-4

 

 

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Hetzerath im ganz großen Stil

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