Wie wollen wir im Alter leben?

Seniorengerechtes Leben für Roetgen

Roetgen. Roetgens Grüne wollen die Erweiterung des Seniorenzentrums verhindern und fordern neue Formen für seniorengerechtes Leben.

Wenn am Donnerstag der Roetgener Gemeinderat zur Sondersitzung zusammen kommt, dann wird darüber beraten, ob der Bebauungsplan zu Um- und Ausbau des Seniorenheims an der Jennepeterstraße vorangetrieben werden soll.

»Bislang haben wir uns enthalten, aber neue Erkenntnisse stellen uns die Frage, wie wir eigentlich im Alter leben wollen«, erklärt Ingrid Karst-Feilen. Die Ratsfrau von Bündnis´90/Die Grünen steht unter anderem dem Generationenausschuss der Gemeinde vor. »Kaum jemand möchte seinen Lebensabend in einem Pflegeheim verbringen, und doch tun es immer mehr Menschen, weil eine andere Betreuung nicht angeboten oder nicht zu bewältigen ist«, weiß der Grüne Bernhard Müller. In den Generationenausschuss wurden nun Institutionen wie GenoEifel, der Bürgertreff Roetgen, die Organisation »Zwischen Arbeit und Rente« sowie der Seniorenbeauftragte der Gemeinde eingeladen, um ein Konzept zu erarbeiten, wie man Menschen möglichst lange in seinen eigenen Wänden leben lassen kann. »Die Verzahnung von Haupt- und Ehrenamt ermöglicht andernorts eine gute Betreuung je nach Bedarf, warum also nicht auch in Roetgen«, fragt Karst-Feilen. Das würde automatisch den Bedarf an stationären Pflegeplätzen reduzieren. Schließlich haben aktuell 60 Prozent der Pflegebedürftigen Stufe drei oder weniger und seien daher durchaus zum eigenständigen Leben zu Hause - mit gewisser Unterstützung - fähig.

Auf Jahre abhängig

»Mit der Erweiterung des Seniorenzentrums bewirken wir genau das Gegenteil«, stellt Müller fest. 2019 gibt es 86 Pflegebedürftige in stationärer Versorgung in der Gemeinde Roetgen, 2021 werden es 92 sein. »Wenn nun ein Haus auf 93 erweitert wird und auch Tagespflege und Servicewohnen von dieser Einrichtung angeboten wird, entsteht ein Monopol«, kritisiert Müller. Zwei bis drei Jahrzehnte werde es dauern, ehe man wieder auf Gelder für alternative Betreuungsmöglichkeiten in Roetgen hoffen könne - und in dieser Zeit sei man vom Betreiber, der Alloheim SE, abhängig.

Wenn unter diesen Umständen der Betreiber das Seniorenzentrum abstoßen wolle, dann wollen die Grünen es von einer Genossenschaft Roetgener Bürger führen lassen.

»Neue Wege beschreiten braucht Mut«, weiß Karst-Feilen. Und dieser Mut sei nötig, um den Senioren, aber auch Pflegebedürftigen von morgen eine Zukunft in der Mitte der Gemeinde aufzuzeigen. Die Sonderratsitzung wird zeigen, ob die Grünen auch andere Parteien von ihrer neuen Idee des »Leben im Alter« überzeugen kann.

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