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Eifelklinik meldet Geburtshilfe ab

In Simmerath kommen ab Juli keine Babys mehr zur Welt

Simmerath. Nach aufreibenden Wochen und Monaten ist heute Nachmittag in der Eifelklinik St. Brigida in Simmerath die Befürchtung Gewissheit geworden: Die Geburtshilfe wird ab Juli geschlossen!

Dazu schreibt die Eifelklinik:

Nachdem drei der vier im Haus tätigen Beleghebammen kurzfristig und völlig überraschend ihr Engagement gekündigt hatten und auch vor dem Hintergrund der Einbeziehung potentieller neuer Kolleginnen kein lückenloser Dienstplan aufgestellt werden konnte, wird man die Geburtshilfe des Hauses nun abmelden müssen. Den werdenden Müttern, die die Geburt ihres Kindes bereits in der Eifelklinik angemeldet haben, steht das Klinikteam mit allen verbleibenden Mitteln zur Seite.
Die Geburtshilfe in der Eifelklinik stand schon vor der Übernahme durch die Artemed vor acht Jahren auf tönernen Füßen, vor allem aufgrund geringer Geburtenzahlen. „Allerdings wussten wir immer, welche Bedeutung die Abteilung für die Region hat“, erklärt Geschäftsführer Dr. Benjamin Behar. „Ich bin selbst Vater dreier Kinder und weiß, wie wichtig es werdenden Müttern ist, an einem Ort entbinden zu können, an dem sie sich wohlfühlen. Vor diesem Hintergrund haben wir in den letzten Jahren erhebliche Maßnahmen unternommen, um die Qualität der Geburtshilfe zu erhöhen bzw. sicherzustellen.“

Kündigungen kamen völlig überraschend

Nach und nach hatte sich die Abteilung weiter zum Positiven entwickelt – die Kreißsäle wurden unter modernsten Gesichtspunkten neu gebaut und die neue Wochenbettstation eröffnet. Nach der Verabschiedung von Chefarzt Dr. Sohr in den Ruhestand 2017 gelang es Chefarzt Dr. Cousin, der Klinikleitung und der Gemeinde Simmerath mit vereintenKräften, großem Aufwand und nicht zuletzt dem immensem Engagement des verbleibenden Teams, die Abteilung mit der Einstellung von Facharzt Dr. Wilhelm Jost auch personell wieder stabil aufzustellen. Im Zuge einer nachhaltigen Vorwärtsstrategie wurde sich sogar bemüht, die Versorgung um eine Neonatologie zu erweitern, um die Qualität und Sicherheit der Simmerather Geburtshilfe noch weiter zu verbessern. Umso größer die Überraschung, als Ende März alle an der Klinik tätigen Hebammen – von einer Vertreterin abgesehen – mitteilten, dass sie ab dem 1. Mai 2018 nur noch für die prä- und postnatale Versorgung von Müttern, nicht mehr jedoch für die geburtshilfliche Begleitung im Klinikrahmen zur Verfügung stünden. Nach ersten Gesprächen konnte diese Frist noch einmal um vier Wochen verlängert werden.

Vor- und Nachsorge statt Geburtsbegleitung

„Wir haben uns sehr intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, ob wir unsere Beleghebammen, mit denen wir über viele Jahre ein sehr vertrauensvolles und partnerschaftliches Verhältnis gepflegt haben, in ihrer Belastung wirklich einfach nicht gehört haben“, so Chefarzt Dr. Andreas Cousin. „Allerdings hatten wir über die Jahre hinweg sowohl angeboten, das Team zu erweitern als auch in den letzten Wochen Gespräche mit 13 potentiellen Kolleginnen geführt. Schlussendlich aber wurde deutlich, dass auch mit neuen Kolleginnen kein lückenloser Dienstplan aufgestellt werden kann."

Auf Nachfrage hinsichtlich ihrer zeitlichen Präferenzen und Verfügbarkeiten hatten zwei der Hebammen, die mit dem 31. Mai ausgeschieden waren, insgesamt sechs 12-Stunden-Dienste pro Monat angeboten, ausschließlich im Tagdienst. Sechs weitere Kolleginnen zeigten sich im höheren Maße einbindungswillig. Damit einen Rufdienstplan aufzustellen, der den Einsatz rund um die Uhr inklusive Urlaubs- und Krankheitsvertretungen gewährleisten kann, war jedoch auch in einem letzten großen gemeinsamen Termin heute Nachmittag trotz Durchspielen verschiedenster Modelle, inklusive des Angebots einer Festanstellung oder der Übernahme der teuren Haftpflichtversicherung, nicht möglich. Letzten Endes blieb ein Drittel der Dienste unbesetzt.

„Offenbar ist der Geburtsprozess, der sich ja durchaus auch über 24 Stunden und darüber hinaus hinziehen kann, in Bezug auf Zeitaufwandund Vergütung sehr viel weniger attraktiv als die Vor- und Nachsorge. Dass sich die Hebammen gerade vor familiären und gesundheitlichen Hintergründen hinsichtlich der Aufgabenverteilung innerhalb ihres Berufs umorientieren möchten, respektieren wir natürlich. Dennoch ist es eben die Geburtsbegleitung, auf die wir in der Eifelklinik angewiesen sind. So sehr wir uns wünschen würden, die Abteilung weiter zu betreiben: Uns sind an dieser Stelle leider die Hände gebunden“, resümiert Dr. Benjamin Behar.

Weitere Unterstützung bereits angemeldeter werdender Mütter

Für den Juni konnte die Durchführung hebammengestützter Geburten in der Eifelklinik noch sichergestellt werden – das betrifft knapp die Hälfte der 47 Schwangeren, die sich bereits bis Mitte Oktober zur Geburt im Simmerather Krankenhaus angemeldet haben. Diejenigen, deren geplanter Entbindungstermin nach dem 30. Juni liegt, werden in den nächsten Tagen persönlich von Chefarzt Dr. Cousin telefonisch kontaktiert und beraten. Eine Kooperation mit dem Aachener Luisenhospital steht bereits. Ebenso wird eine ärztliche Notrufnummer im Simmerather Krankenhaus eingerichtet, an die sich schwangere Frauen rund um die Uhr wenden können.

„Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Mitarbeitern der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung bedanken – Ihr Engagement in den vergangenen Jahren war wirklich beispielhaft. Wir können nur vermuten, wie schwer die Schließung der Geburtshilfe in Simmerath für Sie sein muss und freuen uns darauf, auch weiter mit Ihnen zusammenzuarbeiten“, so Dr. Benjamin Behar.

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Kommentar von Daniel Mertens
Da kann man sich dem Kommentar von Herrn Schirlo-Zurheide nur anschliessen.
Es ist eine Frechheit wie mit den Hebammen umgegangen wird und Ihnen der schawarze Peter zugeschoben wird. Es sollte Aufgabe des Krankenhauses sein, fuer die Hebammen ein angemessenes Arbeitsumfeld/ -verguetung zuschaffen und die geleistete Arbeit zu wuerdigen. Es kann nicht sein, dass mit der Gesundheit der Heabammen und Leben von Muettern und Kindern gespielt wird um die Kosten von Festangestellten oder weiteren Beleghebammen zu sparen, nur weiteren Profit zu machen. Ein Krankenhaus, dass zum Wohle des einzelnen Menschen gedacht ist, gehoert nicht in eine Private Gesellschaft sondern in oeffentliche Hand.
Wie kann eine Gesellschaft mit den "Visionen und Werten" "-stets zum Wohle unserer Patienten. Denn oberste Priorität hat immer der Mensch in seiner Individualität." auf seiner eigenen Homepage werben und es anscheinend nicht hinbekommt eine Geburtsstation, die fuer eine ganze Region wichtig ist, so gegen die Wand zufahren. Wenn die oberste Prioritaet der Mensch ist, sollte man wirklich alles dafuer machen um die Geburtsstation am Leben zu erhalten. Denn hier entsteht das neue Leben und der neue Mensch.
Kommentar von Oliver Schirlo-Zurheide
Natürlich sind den Hebammen in Simmerath die Familien und Kinder nicht egal. Geburten lohnen sich im deutschen DRG System einfach nicht für Krankenhäuser, die renditeorientiert arbeiten wollen, oder für kleine Häuser, die es müssen. Da ist eine angemessene Personalausstattung für Hebammen (wie überall in der Pflege) nur ein störender Kostenfaktor. Dazu noch 8500€ Haftpflicht, wie krank ist das denn...
Unsere drei Kinder wurden von den Hebammen der St. Brigida betreut, die genauso wie Pflegepersonal und Ärzte vor Ort immer fantastische Arbeit geleistet. Auch auf dem Höhepunkt der Influenzawelle im Februar/März, als andere Häuser abmelden mussten, blieb die Qualität auf gewohnt hohem Niveau, und alle vor Ort waren immer sehr freundlich und hilfsbereit.
Das Frau Weinert nun den Vergleich zum Scheiterhaufen zieht, ist historisch völlig gerechtfertigt. Nur das heute kein Holz verwendet wird, sondern Euroscheine, und schon ist man die Hexen los...

Was ist los in Simmerath, erst dieses unsägliche Geschachere von Alloheim, jetzt gelingt es in dem System nicht die guten Leute in der St. Brigida zu halten. Simmerath lebt doch von Menschen.
Kommentar von Sonja Laschet
Was mir in der Berichterstattung noch fehlt/zu kurz kommt, ist die Sichtweise der Hebammen. Bis lang habe ich viel vom Krankenhaus gehört und nun auch von der Politik in der Tageszeitung, aber was sagen eigentlich die Betroffenen Hebammen dazu? Was sich mir nämlich noch nicht erschließt ist, warum wenn über Überlastung geklagt wird, nun mit sieben weiteren Kolleginnen zur Unterstützung im Bereitschaftsdienst keine Lösung gefunden werden konnte.
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