Neues Konzept für die Tonne

Ab 1. Januar 2020: 13 Mindestentleerungen - Preise steigen

Kreis Bernkastel-Wittlich. Wer viel Müll produziert, darf ab nächstem Jahr tief in die Tasche greifen: Ein neues Müll-Konzept soll ab 1. Januar 2020 im Kreis Bernkastel-Wittlich an den Start gehen. 13 Mindestentleerungen sollen Standard werden, jede weitere kostet. Das ist aber nicht die einzige Änderung …

"Wir werden das gesamte System ein Stück weit auf den Kopf stellen" - das kündigte Dr. Maximilian-G. Monzel, Verbandsdirektor des Zweckverbandes der Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.), an. Zum 1. Januar 2020 werde sich daher "flächendeckend im gesamten Bezirk" etwas ändern.

"Investitionen im ganz großen Stil"

Die Zahl der Mülltonnen-Mindestentleerungen steige von zwölf auf 13. "Es hat sich gezeigt, dass im Schnitt 14 Entleerungen Standard sind, daher heben wir die Zahl an", so Monzel. "Außerdem können sich die Menschen das besser merken: Der Müll wird dann genau alle vier Wochen abgeholt." Teurer wird es übrigens auch. Das sei vor allem auf "Investitionen im ganz großen Stil" zurückzuführen. So seien u. a. zwei neue Wertstoffhöfe in Wittlich und Morbach geplant. In der Pipeline stünden außerdem etliche Bauprojekte und Sanierungsmaßnahmen, die eine Menge Geld kosten. Allein 20 Mio Euro würden in Sehlem benötigt werden. Auch an die Nachsorge der Deponien müsse man bereits jetzt denken. Landrat Gregor Eibes ergänzt, dass die Sache mit dem Müll "sowieso seit Jahren ein Problem" gewesen sei. "Wir haben rote Zahlen geschrieben". Dass die Gebühren nicht kostendeckend seien, werde laut A.R.T. auch von der Kommunalaufsicht der ADD angemahnt, sodass jetzt ein neues Konzept mit neuer Kalkulierung hermüsse.

24 Prozent mehr Kosten für eine 120-Liter-Tonne

Am Ende der Rechnung stehen 13 Prozent mehr Kosten für eine 80-Liter-Tonne, 24 Prozent mehr bei 120 Litern und 29 Prozent Aufschlag für Haushalte mit einer 240-Liter-Tonne. Auch bei den ganz großen Behältern wird es teurer: Bei 1.100 Litern um 4 Prozent, bei 3500 um 18 Prozent und bei 5000 Litern um 14 Prozent. Monzel rechnet mit Gegenwind aus der Bevölkerung, versichert aber: "Wir versuchen, die Gebühren so gering wie möglich zu halten." Eibes ergänzt: "Ich weiß nicht, ob den Menschen bewusst ist, was alles an Leistungen dahintersteckt, wenn der Müll abgeholt wird ..." A propos Leistungen: Elektroschrott wird ab 2020 nicht mehr abgeholt. Dafür soll sich beim Grünschnitt einiges ändern - der landete nämlich bisher oft in der schwarzen Tonne", so Monzel, "und da gehört er nicht hin."

Änderungen im Überblick

Was der A. R. T. geplant hat:

· Investitionen in das Entsorgungs-und Verwertungszentrum Sehlem: Die Gesamtdeponie in Sehlem soll laut A.R.T überholt werden. Dazu gehören u. a. die Profilierung des Umladebereichs (200.000 Euro), der Bau eines Retentionsbereichs mit Absetzbecken und Regenrückhaltebecken (400.000 Euro) sowie der Umbau des Eingangsbereichs und der abfallwirtschaftlich genutzten Flächen. Auch der Wertstoffhof soll umgebaut werden (590.000 Euro), ebenso soll ein neuer Kompostplatz ohne Überdachung errichtet werden (800.000 Euro). Außerdem geplant: Der Umbau und die Sanierung der Photovoltaikanlage (440.400) und die Bodenannahme für Privatkunden (1000 Euro). Summa summarum macht das 2.431.000 Mio Euro.

· Wertstoffhofkonzept: Auf der Agenda des Entsorgers steht der Bau neuer Wertstoffhöfe, u. a. in Sehlem und Morbach. "In Wittlich haben wir ein Grundstück mit 2 Hektar Fläche gekauft, Richtung Goodyear", so Monzel. "In Morbach suchen wir noch."

· Grünschnittsammelstellen: "Was viele nicht denken würden: Wir haben genauso viel Grünschnitt bzw. Bioabfall inklusive Speisereste wie Abfall - über 100.000 Jahrestonnen", eröffnet der Verbandsdirektor das Thema. "In der Vergangenheit wurde ja bereits diskutiert - aber ich möchte etwas klarstellen: Wir haben kein Interesse daran, Grünschnittsammelstellen zuzumachen. Im Gegenteil." An die Grünschnittsammelstellen würden in Zukunft höhere Anforderungen gestellt werden. Ziel sei es zudem, an jeden Glascontainerstandort einen Biogutcontainer zu positionieren. Ein "Bringsystem für den Bioabfall soll eingeführt werden, sodass die Menschen ihre Biotüten überall abgeben können."

· Elektroschrott: Wie bereits in anderen Verbandsgemeinden praktiziert, wird der Elektroschrott ab 1. Januar 2020 nicht mehr abgeholt.

· Gebührenanpassung: Zu den bereits erwähnten 13 Standardleerungen (s. o.) sind viele auf weitere Leerungen angewiesen. "Wer mehr Müll produziert, soll mehr zahlen - das ist der einzig richtige Weg", so Monzel. "Der Bundesdurchschnitt liegt bei 10 L Müll pro Person. Das ist nicht gerade wenig." Daher sollen die Menschen motiviert werden, ihr Verhalten zu überdenken. "Wer wenig verbraucht, kommt mit einer kleineren Tonne aus. Wir wollen an die Haushalte einen Rechner verschicken, mit dem die Menschen ausrechnen können, welche Tonnengröße sie benötigen." So könne man vor allem im Landkreis Bitburg-Prüm, bei dem 240-L-Tonnen Standard sind, auf kleinere Behältnisse zurückgreifen. Der A.R.T. äußert sich am Freitag, 9. August, in einer Pressemitteilung zum neuen Konzept: "Beim Abfall können sich die Kundinnen und Kunden des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.) nun entscheiden, wie weit ihre Selbstverantwortung geht. Wenn sie sich darauf einlassen oder schon darauf achten, möglichst wenig Abfall zu produzieren, haben sie die Chance weiterhin mit geringen Abfallgebühren auszukommen und damit auch im bundesweiten Vergleich wie bisher mit die niedrigsten Beträge zu zahlen. Wenn nicht, dann wird es teurer."

Ausblick: Mehr Umweltverschmutzung durch höhere Preise?

Landrat Gregor Eibes ist zuversichtlich. "Ich glaube nicht, dass dadurch mehr Menschen ihren Müll in die Umgebung schmeißen werden."

Monzel kündigt hierzu ein strenges Vorgehen an. "Wer Müll in die Natur wirft, macht sich strafbar. Das ist einfach nicht in Ordnung. Es haben schon Leute deswegen eingesessen, da sie die Strafe nicht bezahlen konnten. Auch in Zukunft wird solch ein Vorgehen zur Anzeige gebracht."

Blick über die Kreisgrenze: Auch in Trier und Bitburg-Prüm soll es teurer werden

Kosten nach Landkreis für einen 80-L-Behälter: "Wittlich galt in Sachen Müll als Pilot-Projekt", erörtert Maximilian-G. Monzel, "und das wollen wir jetzt auf andere Bezirke anwenden." Die Preisgestaltung werde unterschiedlich ausfallen. Der A.R.T erläutert die Rechnung: "In Trier und Trier-Saarburg würde die Gebühr für dieses Paket ab 2020 bei 13 Leerungen eines 80-l-Restabfallbehälters 78,44 €, im Landkreis Bernkastel-Wittlich 124,67 €, im Eifelkreis Bitburg-Prüm 81,56 €, im Landkreis Vulkaneifel 110,44 € pro Jahr kosten. Wer will kann den Behälter auch öfter leeren lassen. Dies ist alle 14 Tage möglich. Jede weitere Leerung kostet für das gewählte Beispiel des 80-l-Abfallbehälters je nach Gebiet zwischen 9,15 € und 9,66 €."

Aufsichts-und Dienstleistungsdirektion (ADD) verlange einheitliche Richtlinien

Begründungen für die Gebührenanpassung gibt es laut A.R.T etliche. Neben hohen Entsorgungskosten für Restabfall, dem Einbruch der Preise für Altpapier und der Steigerung des Personalaufwands gäbe es auch vor allem eine Vorgabe der Landesregierung, verursachergerechte Gebührensysteme einzuführen und Abfall zu vermeiden. Zudem verlange die ADD, "dass es im Entsorgungsgebiet des A.R.T. innerhalb von 10 Jahre einheitliche Gebühren gibt. Dies ist derzeit noch nicht der Fall," so der Zweckverband. Ziel sei es, Schritt für Schritt das Leistungsangebot in der Region zur vereinheitlichen.

Wie es jetzt weitergeht

Die Verbandsmitglieder haben das Recht, über die jeweiligen Gebührensätze in ihren Kreistagen und im Trierer Stadtrat zu diskutieren und zu entscheiden, bevor die Verbandsversammlung im September die Satzungen beschließt.

Weitere Informationen unter www.art-trier.de

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