Im Kampf um Talente

Innovationsforum in Wittlich

Wittlich. Wie gewinne ich Mitarbeiter für mein Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels? Ein Thema, das die Region beschäftigt. Das zeigte sich auch beim Innovationsforum »War for Talents« in der Synagoge.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist für viele Unternehmer ein echtes Problem. Die Agentur für Arbeit hatte bereits zu Jahresanfang vermeldet, dass 80 Prozent der offenen Stellen für Fachkräfte ausgeschrieben seien. Und die fehlen. Durch das Fachkräfte-Einwanderungsgesetz, das im März in Kraft tritt, könnten sie künftig einfacher aus dem Ausland angeworben werden. Doch das Problem ist akut, viele kleine und mittelständische Unternehmen sind dauerhaft auf der Suche nach neuen Mitarbeitern. Daher hat das Medien- und IT-Netzwerk Trier-Luxemburg (MITL) in Zusammenarbeit mit der Stadt Wittlich ein »Innovationsforum Human Ressources« für Firmen aus der Großregion angeboten. Die Resonanz war groß: Rund 130 Geschäftsführer und Personaler hörten zu und machten aktiv mit, als Leonard Preisler und Stefanie Kohl als Moderatoren durch den Abend führten. Zuerst forderten die beiden alle Teilnehmer auf, jeweils drei Hashtags (dt.: Schlagwort) und den jeweiligen Firmennamen zu nennen.

Von der Bankenszene bis zum Heizungsbauer

Mit an Bord waren nicht nur größere Firmen wie Dr. Oetker, Barmer, Volksbank Raiffeisenbank, Benninghoven oder die Regionalmarke Eifel, sondern auch Vertreter kleinerer Betriebe aus verschiedensten Branchen – von Eifel bis Mosel, vom Friseur bis zum Rechtsanwalt, vom Heizungsbauer bis zum Architekten. Gemeinsames Ziel: das Finden geeigneter Fachkräfte.
Die Hashtags der Forumsteilnehmer zeigten, was die Anwesenden beschäftigt. Dr. Thomas Simon, Geschäftsführer des IT-Haus in Föhren und Vorsitzender des MITL, nannte »Region, weltweit, Europa«. Landtagsabgeordnete Elfriede Meurer entschied sich für »Bildung, Gesundheitsversorgung und Familie« und Anita Bunsmann von Hermes & Greisler sagte »Zukunft, Unternehmensbindung, Ausbildung« ins Mikrofon.
»Diese Vorstellungsrunde war gut, um einen Überblick über die Schwerpunkte der einzelnen Teilnehmer zu haben,« erörterte Gastredner Andreas Dittes, der seinen Vortrag an Impulse aus der interaktiven Sammelrunde anpasste. Der Abend hatte vor allem ein Ziel: Lösungsansätze für die Probleme bei der Personalgewinnung aufzuzeigen.

Mitarbeitersuche: Probleme oft hausgemacht

Dittes – nach eigener Aussage erfolgreicher Studienabbrecher und Unternehmer aus Leidenschaft – ist Geschäftsführer der Talentwunder GmbH. Die Firma aus Berlin bietet  Management-Lösungen für die Personalbeschaffung an, mit denen die besten Talente gefunden werden sollen. Probleme bei der Mitarbeitersuche, so der Gründer, gebe es gleich mehrere: »Der Recruitingmarkt und die Talente haben sich sehr stark verändert, junge Generationen wollen z.B. aktiv angesprochen werden. Unternehmen haben sich dagegen kaum verändert und nutzen noch alte Recruitingmethoden und -Prozesse. Die Welt dreht sich schneller und Geschwindigkeit ist einer der wichtigsten Faktoren.«
Aus dem Referenten-Vortrag konnte Holger Simon von der Bäckerei Wildbadmühle (Traben-Trarbach) nützlichen Input mitnehmen: »Andreas Dittes hat auf zu lange Reaktionszeiten von Unternehmen im Bewerberprozess hingewiesen. Bei manchen Firmen drei bis vier Wochen. Bewerber würden dann unter Umständen ein anderes Angebot annehmen. Wir sind zwar vom Fachkräftemangel nicht direkt betroffen, da wir viele Jahre erfolgreich ausgebildet haben, aber was Bewerbungen betrifft, müssen wir in Zukunft schneller reagieren.« Auch Karin Oster von der OsterNest Dach + Holzbau GmbH (Bernkastel-Kues) fand das Forum »inspirativ«: »Ich war sehr positiv überrascht. Jung und Alt war vertreten. Besonders interessant war der Hinweis, dass sich nicht nur die potenziellen Mitarbeiter bewerben müssen, auch  wir als Firma müssen auf die Talente zugehen und uns bei ihnen bewerben ...«  
Bürgermeister Joachim Rodenkirch zieht ein positives Fazit der Veranstaltung: »Das Innovationsforum hat viele unterschiedliche Unternehmen zusammengebracht, was die regionale Identität stärkt und das Netzwerk festigt.« Um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen, müsse die Region mit ihren vielfältigen Vorzügen außerhalb wahrgenommen  und  Schwarmregion mit hoher Anziehungskraft werden.   

(sas)


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