Der monetäre und kreative Kampf um einen Schulstandort

Speicher. Seit Jahren kämpft eine Bürgerinitiative für den Schulstandort Speicher. Nach ihrem Willen soll eine Integrierte Gesamtschule (IGS) entstehen, in die auch Schüler aus den Nachbarkreisen Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich gehen können.

"Die Schule ist wichtig für die Entwicklung der gesamten Stadt", ist Wolfgang Elsen überzeugt, "nur wenn wir die Kinder hier halten können, bleiben am Ende auch die Betriebe, die Fachkräfte und die Geschäfte." Die Argumentation des Speicherer Unternehmers belegt, dass ? wie im Falle der Töpferstadt ? auch konservativ denkende Menschen durchaus Feuer und Flamme für eine Integrierte Gesamtschule sein können. Denn die Einrichtung einer IGS ist letztlich das Ziel der "Bürgerinitiative für ein innovatives inklusives Schulzentrum Speicher", wie der etwas sperrige Name einer von Gewerbetreibenden, Lehrern, Eltern und anderen Interessierten getragenen Bewegung lautet. Bereits in den Jahren 2009 und 2010 ergaben Umfragen der Bürgerinitiative, dass viele Eltern ihre Kinder an einer IGS Speicher anmelden würden... allerdings waren es knapp zu wenige, um das Vorhaben durchzusetzen und damit auch den Schul-standort Speicher garantiert zu halten. Jetzt hoffen die Befürworter, bis zum 28. Februar genügend Anmeldungen für die Umsetzung einer dreizügigen Realschule Plus mit 25 Kindern pro Klasse zu bekommen; die Verlängerung der Anmeldefrist auch über das Datum hinaus ist für plausible Fälle zudem möglich. Angesprochen werden nicht nur Eltern aus Speicher, sondern auch aus den angrenzenden Gebieten der Landkreise Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg. "Aktuell können wir keine IGS gründen, weil der Landkreis keinen entsprechenden Antrag bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion gestellt hat", erläutert Michael Ludwig, in der Bürgerinitiative engagierter Pädagoge. Die ADD habe signalisiert, dass erst eine Realschule Plus eingerichtet werden muss, bis daraus eventuell zum Schuljahr 2015/2016 eine Integrierte Gesamtschule mit gymnasialem Zweig werden kann. Auf dem Weg dorthin lassen sich die Initiatoren nun einiges einfallen. Unter anderem eine von Kritikern "Kopfgeld" genannte Prämie von 500 Euro pro angemeldetem Schüler, welche der kommunale Schulzweckverband zahlen will in der Erwartung, das Geld werde von den Eltern für Unterrichtsmittel verwendet. Aber es geht auch um qualitative Anreize, beispielsweise mit dem Projekt "Natürlich klug ? essbare Schule". Dabei handelt es sich um ein innovatives und ökologisches Pädagogik-Konzept, das an den Erfolg der von SWR-Fernseh-Gärtnerin Heike Boomgarden ins Leben gerufenen "essbaren Stadt" in Andernach anknüpft: "Wir wollen einen sehr praxisbezogenen und ganzheitlichen Unterricht anbieten", sagt Ludwig, "der im ersten Schritt einen Garten mit Färberpflanzen umfasst... wichtig für den Laborführerschein im Fach Chemie." Die Farben werden für Textilien oder Kosmetik verwendet. In einem weiteren Schritt werden die Schüler Bienenvölker halten und Imker werden dürfen. Auch der Anbau von Kräutern und heimischen, vom Aussterben bedrohten Gemüsesorten ist vorgesehen. Den Anstoß dazu gab der grüne Landtagsabgeordnete und Landwirt in Personalunion Dietmar Johnen, den Rahmen bietet das "Forum neue Bildung", welches von Ruth Ratter, Bildungspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion begründet wurde.          ako

Foto (Koch): Mit Geld, aber auch und vor allem qualitativen Anreizen wirbt man in Speicher um Schüler.                       

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