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Freundschaftsschwur statt Konversionsdiskussion

Spangdahlem. Bei einem Ortstermin auf Einladung von Speichers VG-Bürgermeister Manfred Rodens machten kommunale Vertreter heute in Spangdahlem deutlich: "Die Region steht zum Flugplatz" und "Die Amerikaner sind unsere Freunde". Über Konversion wird nicht gesprochen. Der Erhalt der Arbeitsplätze hat in der Politik oberste Priorität.

Am Haupttor der Air Base Spangdahlem machte Manfred Rodens, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher, am Freitagvormittag bei einem Treffen mit kommunalen Vertretern der Ortsgemeinden rund um den amerikanischen Militärstützpunkt seine Position deutlich: Das Allerwichtigste sei der Erhalt der Arbeitsplätze in der Region. Neben den nach aktualisierten Angaben 740 deutschen Zivilbeschäftigten auf dem Luftwaffengelände seien indirekt auch 1500 bis 2000 Arbeitsplätze von einem Truppenabzug der Amerikaner betroffen.

"30 Millionen Dollar vergibt der Flugplatz pro Jahr für Unterhaltungsmaßnahmen an hier ansässige Firmen", ergänzte Klaus Rodens, 1. Beigeordneter von Spangdahlem. Und die Amerikaner seien ein "sehr, sehr guter Arbeitgeber", der "gute Löhne" bezahle, betonte er. Abgesehen davon lebten rund 6000 Soldaten und Angehörige außerhalb der Air Base in Mietverhältnissen, die Geld einbringen. Seiner Ansicht nach sei eine einzige Fliegerstaffel noch "viel zu wenig, um auf Dauer die Arbeitsplätze zu sichern", so Klaus Rodens. Die Region brauche einen weiteren Ausbau.

Zivilbeschäftigte sind gelassen

Trotz der am Mittwoch vergangener Woche aus dem Pentagon verkündeten Truppenabzugspläne sei die Stimmung unter den deutschen Zivilbeschäftigten auf dem Militärstützpunkt gut, schilderte Roland Merges, der als Betriebsvertretungsvorsitzender des Flugplatzes Spangdahlem rund 600 Beschäftigte vertritt. Der Grund: Die meisten glaubten nicht daran, dass der Truppenabzug umgesetzt würde.

Klaus Rodens machte bei der Begehung entlang der 60 Hektar großen Nord-West-Erweiterung des Militärgeländes auf die neuen Investitionen auf der Air Base aufmerksam: Auf dem Areal sei gerade erst eine Zahnklinik und eine Schule entstanden. Daher sei ein Abzug "unvorstellbar".

Kritische Stimmen klangen beim Ortstermin nur leise und am Rande an. Norbert Schröder, Ortsbürgermeister in Beilingen, beschrieb die Stimmung im Ort als "zwiegespalten": "Grundsätzlich sind wir der Meinung, der Flugplatz muss als Wirtschaftsfaktor erhalten bleiben, obwohl der Fluglärm belastend ist."

Freundschaftsbekräftigung statt Drohkulisse

Unter den Anwesenden war auch der rheinland-pfälzische Spitzenkandidat der CDU, Christian Baldauf, der zusicherte, sich für den Erhalt des Flugplatzes einzusetzen. Er kündigte an, sich schriftlich an zwei Trump kritische Senatoren zu wenden. Strategisch sei es nun wichtig, keine Panik zu verbreiten und nicht laut über Konversion nachzudenken. Ohne dessen Namen zu nennen, kritisierte er Landrat Joachim Streits Forderung, von deutscher Seite die Bestellung von Militärflugzeugen einzufrieren, um die amerikanische Wirtschaft zu treffen. Eine Drohkulisse aufzubauen sei in der "sehr fragilen" Situation schädlich, meinte Baldauf. Besser sei es, "das Signal auszusenden, dass wir zu den Amerikanern stehen", so der Landtagsabgeordnete. Nur kurz erwähnte er, dass es auch Gegner des Flugplatzes gebe. Gegen diese müsse man zusammenstehen, forderte Baldauf.

Manfred Rodens unterstrich, dass die Amerikaner die Reaktionen aus der Region genau beobachteten. Daher verfolgt er Baldaufs Linie: "Über Konversion zu reden bringt nichts. Wir nehmen das Wort nicht in den Mund." In diesem Sinn lautete der einhellige Tenor an diesem Morgen: "Die Region steht zum Flugplatz" und ein viel gehörter Satz: "Die Amerikaner sind unsere Freunde".

 

Sybille Schönhofen

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Kommentar von Dr. Agnes Tillmann-Steinbuß
Das ist leider das Credo des Bürgermeisters aus Speicher: über Konversion und eine friedliche Zukunft - die vielfältigen Chancen einer zukünftigen Friedenspolitik will er nicht reden. Er verbaut den Kindern die Zukunft. Welche Engstirnigkeit, nicht einmal darüber nachdenken zu wollen, wie es denn anders und besser sein könnte, als es jetzt ist! Wie weit entfernt ist dieser Bürgermeister von den wirklichen Sorgen der meisten Menschen, die die Umweltgefahren spüren. Diese Oberflächlichkeit der Politiker, die sich weigern die Nachteile des Militärrechts überhaupt nur wahrzunehmen - die wertvolle Brunnen schließen anstatt die Gefahren für die Trinkwasserversorgung abzuwehren - diese Politiker werden die Gesellschaft spalten!