Freie Schule Eifel hat ein Zuhause

Wasser-Info-Zentrum wird zur neuen Bildungsstätte

Heimbach. »Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.« Der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren bedient sich die Initiative »Freie Schule Eifel«, um ihre pädagogischen Ziele zum Ausdruck zu bringen.

»Wir haben einen großen Meilenstein gesetzt«, strahlt Verena Bauer. Die engagierte Mutter aus Schmidt ist Gründerin der Initiative »Freie Schule Eifel« und hat nun den Heimbacher Stadtrat von einer alternativen Bildungsstätte überzeugen können. Im »Wasser-Info-Zentrum« (WIZE), das einst Hauptschul-Gebäude war, sollen Erstklässler am Sommer 2020 unterrichtet werden. »Wir haben dicke Bretter bohren müssen und sind in vielen Kommunen sowie bei zahlreichen Politikern vorstellig geworden. Der 12. August 2020 wird unser großer Tag«, versichert Verena Bauer.

»Reformpädagogische Konzepte bereichern die Bildungslandschaft und eröffnen neue Möglichkeiten des Lernens unter der Beachtung moderner wissenschaftlicher Erkenntnisse.« Verena Bauer erklärt, dass man keine Konkurrenz zu den bestehenden Schulen sein will, sondern eine Ergänzung für jene, die etwas anderes als die staatlich organisierte Bildung wollen. »Natürlich machen sich viele Schulen Sorgen. Aber am Beispiel der Stadt Heimbach zeigt sich, dass man nach Synergien suchen und damit den Standort stärken und attraktiv machen kann.«

Vom Lernort zur Freien Schule

Dabei ist das Zusammenkommen der Schulinitiative und der Stadt Heimbach eine glückliche Fügung für beide Seiten. Denn die Stadt hat endlich eine Folgenutzung für das defizitär geführte WIZE, die engagierten Eltern ein Zuhause für ihre neue Schule.

Bis dahin liegt aber noch viel Arbeit vor Verena Bauer und ihren 40 Mitstreitern. »Wir haben 13 Zusagen für das kommende erste Schuljahr und insgesamt 29 Interessenbekundungen für die Folgejahre« erklärt Bauer. Das sei toll, sei doch bis zur Lösung der Standortfrage vieles ungewiss gewesen. Und wenn man wisse, dass die »I-Dötzchen« der Freien Schule Eifel aus der ganzen Nordeifel, aber auch Aachen, Düren, Stolberg und Köln kommen, dann tue das den Schülerzahlen an den Regelschulen sicher keinen Abbruch.

Erfahrene Montessori-Pädagogen gesucht

Nun muss ein Brandschutzkonzept erstellt und einiges im WIZE verändert werden, damit es als Grundschule genutzt werden kann. »Die Stadt Heimbach nimmt dafür bis zu 150.000 Euro in die Hand«, ist Bauer dankbar. Und die Schulleitung überninmmt Franz-Peter Wirtz, einst Leiter des Frankengymnasiums in Zülpich.

Zeitgleich wird nach Montessori-Pädagogen, Grundschullehrern, aber auch weiteren Eltern, deren Kinder 2020 ins erste Schuljahr kommen und sich für das alternative Lernen begeistern, gesucht.
70 Prozent des Gelernten ist nach kurzer Zeit wieder weg, wenn es nicht verinnerlicht wird. Wer aber Geometrie durch kindliches Basteln erforsche, Verantwortung beim Gartenbau übernehme und am Schulalltag aktiv beteiligt werde, der lerne tatsächlich fürs Leben, so die Initiatioren. Dahinter verbirgt sich ein Ansatz, der gleichberechtigt das Denken, das Fühlen und die handwerklich-praktischen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen fördern will.

Gestartet werde mit den jüngsten Schülern - mittelfristig soll aber dann eine Schule bis zur Jahrgangsstufe 13 aufgebaut werden. Wenn das soweit ist,  stehen neue Herausforderungen ins Haus, denn das WIZE bietet nur Platz für die vier Grundschuljahrgänge.

»Ein Wechsel von einer Regel- in eine freie Schule ist möglich, die Umstellung jedoch nicht ganz einfach«, weiß Bauer.  Auch die Finanzierung wird nur zu 80 Prozent vom Land gestemmt - der Rest muss über Elternbeiträge (wie etwa bei Privatschulen) und andere Sponsoren eingeholt werden.

Hilf mir, es selbst zu tun

Die drei Säulen »kognitive Wissensvermittlung«, »emotional-soziale Kompetenzen« und »kreativ-musisch-handwerkliche Fertigkeiten« haben in der Freien Schule Eifel gleiche Priorität.
Die nächste öffentliche Infoveranstaltung der Initiative Freie Schule Eifel e.V. findet am Freitag, 20. September um 19.30 Uhr im Wasser-Info-Zentrum in Heimbach,  Karl-H.-Krischer-Platz 1, statt.

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