Klettergarten erhitzt die Gemüter

Heimbach. »Was spricht denn dagegen, wenn Kinder und Erwachsene Spaß haben«, fragte Serge van der Heijden, Manager des Landal Ferienresort »Eifeler Tor« in Heimbach. »In unmittelbarer Nähe zum Jugendstilkraftwerk, ein einmaliges Industriedenkmal und das Wahrzeichen Heimbachs, hat eine Superseilbahn nichts zu suchen«, meinte Michael Viktor Müller, der vor Jahren ein Seegrundstück in Hasenfeld erwarb und dort wohnt. Der Beifall, den beide Aussagen erhielten, hielt sich in etwa die Waage.

Vor allen Dingen war er laut. Denn zwischen 250 und 300 Menschen hatten den Weg ins »Haus des Gastes« gefunden. Dorthin hatte der Heimbacher Bürgermeister Peter Cremer zur informellen Anhörung der Investorin und der Kritiker des Heimbacher Projekts »Waldseilgarten mit Luftseilbahn in Schwammenauel« eingeladen. Waren die Lager der Befürworter und Gegner des Projekts in etwa gleicher Stärke vertreten, galt das für die Redezeit und Anzahl der Redner nicht. Dort lagen die Gegner eindeutig vorne. Dafür erhielt die Investorin Yasmin Kalmuth als erste die Gelegenheit, ihr Vorhaben detailliert vorzustellen. Bereits 2012 hatte sich die Mutter von drei Kindern an die Stadt Heimbach mit der Idee gewandt, im Bereich zwischen dem Jugendstilkraftwerk und dem Ferienresort »Eifeler Tor« einen Waldseilgarten zu errichten, dessen größte Attraktion eine rund 175 Meter lange Luftseilbahn sein soll. Geplant ist, sie unterhalb des Feriendorfs bis hinunter zum Kletterpark zu führen.

Finanzierung steht

Rat und Verwaltung der Stadt Heimbach waren von der Idee angetan und setzten eine Flächennutzungsplanänderung für die Verwirklichung in Gang - allerdings unter der Maßgabe, dass die Finanzierung des Vorhabens gesichert ist. »Die Finanzierung steht«, so Yasmin Kalmuth, die eigens für das Projekt die »Grüner Salamander« GmbH gründete, die auch Investorin des Projekts sein wird. Mit dem Kletterpark, der übrigens vom Jugendstilkraftwerk aus gar nicht zu sehen sei, wolle sie ein attraktives Angebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene schaffen. Der eigentliche Kletterpark habe die Ausmaße von 30 mal 40 Metern, sei also etwa so groß wie zwei Fußballfelder. Insgesamt würden in dem Bestand aus Laub- und Nadelholz 38 Bäume genutzt.

Naturpädagogik

Auf den übrigen Flächen des Areals sind naturpädagogische Angebote für Kinder, wie etwa das Malen mit Naturfarben oder das Pressen von Apfelsaft, geplant. Mittelfristig soll ein barrierefreies Angebot, auch für Rollstuhlfahrer, hinzukommen. Im Vertrauen auf die Zusagen der Stadt Heimbach und auch mit ihrer Hilfe sind laut Yasmin Kalmuth bislang bereits zahlreiche Gutachten zu relevanten Themen wie Umweltverträglich, Lärmschutz oder Verkehrsbelastung angefertigt worden, von denen keines Bedenken gegen das Vorhaben habe. Nicht zuletzt durch diese Gutachten habe man bereits 35.000 Euro investiert. »Wenn, dann wird der Kletterpark nur an dieser Stelle realsiert«, erteilte sie den Gegnern eine Absage, die den ehemaligen Märchenwald in Schwammenauel als Alternativstandort vorgeschlagen hatten.

Freizeitlärm

»Gellender Freizeitlärm«, Gefährdung der Natur, Pflanzen und Tiere, sozialer Unfrieden, wirtschaftliche Schäden und Verkehrschaos - das waren die Argumente, welche unter anderem von den Kritikern Boris Jörgens und Michael Viktor Müller gegen den Kletterpark vorgebracht wurden. So zweifelte Müller unter anderem daran, dass die verkehrsberuhigte Kleestraße in Hasenfeld den zu erwartenden Verkehr bewältigen kann. Die Straße, die bereits zu einem Campingplatz und zum Jugendstilkraftwerk führt, sei der einzige Weg zur Erschließung des Kletterparks. Müller: »Busverkehr, wie man ihn bei dem Angebot auch für Kinder erwarten kann, ist dort einfach unmöglich.« Boris Jörgens, Gastronom und Betreiber der Naturchalets »Herrliche Aussichten«, fürchtet auch wirtschaftliche Konsequenzen. Durch den Kletterpark sei es mit der Ruhe aufgrund des zu erwartenden Freizeitlärms vorbei. Das könne in der Folge zum Ausbleiben von Gästen, finanziellen Einbußen und dem Verlust von Arbeitsplätzen führen. Jörgens: »Die Natur ist unsere größte Attraktion, kein Kletterwald.«

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