Ramers und Winckler Kopf an Kopf

Der neue Landrat wird in zwei Wochen gewählt

Kreis Euskirchen. Weniger als einen Prozentpunkt lagen die beiden Landratskandidaten von SPD und CDU im Kreis Euskirchen am Ende auseinander.

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das sich Markus Ramers (SPD) und Johannes Winckler (CDU) beim Rennen um den Sessel des künftigen Landrats heute lieferten. Mit einem hauchdünnen Vorsprung von gerade einmal 0,95 Prozentpunkten lag Ramers am Ende vorne. Während für ihn 40,14 Prozent der Wähler votierten, wollen 39,19 Prozent Winckler als neuen Landrat an der Spitze der Kreisverwaltung sehen. Für die Wähler bedeutet das, in zwei Wochen zur noch einmal an die Wahlurnen zu treten, denn beide gehen in die Stichwahl. Davon waren viele Menschen im Vorfeld der Wahl ausgegangen. Es ist das erste Mal, dass ein SPD-Landratskandidat einem CDU-Landratskandidaten in der Wählergunst das Wasser reichen konnte.

Spätestens beim Blick auf das Wahlergebnis des künftigen Kreistags wird deutlich, dass Ramers sich keinen Partei-, sondern einen persönlichen Sieg anrechnen darf. Im Kreistag kommt die SPD nämlich nur auf 23,93 Prozent der Stimmen, während die CDU mit 38,46 Prozent der Stimmen mit Abstand vorne liegt. Besonders stark schnitt der Freilinger Markus Ramers mit 63,8 Prozent in seiner Heimatkommune Blankenheim ab. Sowieso konnte man beobachten, dass im tendenziell eher "schwarzen" Süden des Kreises Euskirchen auffällig "rot" gewählt wurde. Deutliche Vorsprünge konnte Winckler nur Zülpich und Euskirchen verzeichnen. In sechs der elf Kommunen im Kreis Euskirchen triumphierte Ramers am Ende, während Winckler in fünf Kommunen Oberwasser bekam. Ganz anders bei der Kreistagswahl. Hier ließ die CDU nur zwei Wahlbezirke liegen.

Auch wenn Winckler knapp hinter seinem CDU-Konkurrenten lag, konnte er mehr Wähler von sich überzeugen als sein Vorgänger Manfred Poth, der 2015 für die CDU antrat und 35,69 Prozent der Stimmen auf sich vereinte. Der musste allerdings auch gegen Günter Rosenke antreten, der als Landrat fest im Sattel saß. Am heutigen Wahlabend weilte der amtierende sowie scheidende Landrat Rosenke im Urlaub.

Nichtsdestotrotz verliert die CDU im Vergleich zur letzten Kreistagswahl 2015 um 3,66 Prozentpunkte und muss somit drei Sitze abgeben und verliert einen Sitz. Auch die SPD muss einen Verlust um 1,46 Prozent hinnehmen. Gewinner sind die Grünen, die um 5,39 Prozentpunkte auf 15,05 Prozent zulegten und somit künftig mit sieben statt bislang fünf Fraktionsmitgliedern im Kreistag sitzen. Auch der Grünen-Landratskandidat Hans-Werner Ignatowitz kletterte von 5,89 Prozent in 2015 auf jetzt 9,35 Prozent der Stimmen. Zufrieden war er allerdings nicht. "Ich hätte mir mehr erhofft", resümierte er, erklärte aber auch, dass die Grünen als drittstärkste Kraft im Kreistag mit diesem Zuwachs nicht klagen könnten. Zugelegt hat sonst nur die AfD im Kreistag. Sie stieg von 5,04 Prozent bei der Kreistagswahl 2014 auf nunmehr 6,55 Prozent. Deren Landratskandidat Frank Poll holte 6,24 Prozent der Stimmen. Melanie Hill (Die Linke) holte 2,40 Prozent, Camelia Dederichs (ÖDP) 2,68 Prozent. Wenig Bewegung gab es bei den übrigen Parteien im Kreistag. Der FDP-Zuspruch sank knapp von 8,25 Prozent in 2014 auf nun 7,89 Prozent und auch UWV und Die Linke mussten Verluste hinnehmen.

Bei der "Wahlparty" im Kreishaus, die aufgrund der Corona-Situation diesmal ohne die Bürger stattfand, kündigten Ramers und Winckler an, sich nun noch zwei Wochen lang in den Wahlkampf stürzen zu wollen. Das verkündeten sie allerdings fast ausschließlich vor der versammelten Presse, denn das Interesse, die Ergebnisse im Foyer des Kreishauses zu verfolgen, waren mau. Die auf Abstand gestellten Stühle blieben leer. Nur Johannes Winckler samt Gattin, der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif sowie Hans-Werner Ignatowitz und die Grünen-Spitze erschienen auf der Bildfläche. Markus Ramers sowie Thilo Waasem, stellvertretender Vorsitzender der Kreis-SPD schauten später kurz vorbei, um sich der Presse zu stellen. Aufgrund der Corona-Situation war die SPD von ihrem kleinen Büro im Kreishaus ins Alte Casino in Euskirchen ausgewichen.

In Großbüllesheim startete die Wahl mit Komplikationen. Dort wurden den Wählern zunächst Kreistagswahlzettel für einen anderen Wahlbezirk ausgehändigt. Als der Fehler auffiel, hatten 191 Wähler ihr Kreuz schon gemacht. Anhand des Wählerverzeichnisses wurden sie ausfindig gemacht. 103 Personen wiederholten die Wahl. Ob dieser Vorgang Konsequenzen für die Wahl hat, wird geprüft werden. Die Wahlbeteiligung lag übrigens insgesamt bei rund 56 Prozent.

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