"Auch jemand, der Schulden hat, hat Rechte"

Euskirchen. Kleine Rente, hohe Schulden: Wie Inkassobüros massiven Druck auf Rentner ausüben.

»Die Rente ist sicher!« Was der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm jahrelang predigte, ist sicherlich nicht falsch. Aber es ist auch nur die halbe Wahrheit. Denn über die Höhe der Rente sagt der Satz nichts aus. Viele Rentner müssen mit einem niedrigen Altersgeld auskommen, die Rentenerhöhungen fallen seit Jahren sehr bescheiden aus, während die Energie-, Lebenshaltungs- und Gesundheitskosten ständig steigen.Euskirchen (wa). Das Ehepaar Müller (Name geändert) aus einem Euskirchener Vorort kann ein Lied davon singen. Von den knapp 1200 Euro müssen sie Miete, Nebenkosten, Versicherungen und Auto bezahlen, so dass pro Woche gerade mal 100 Euro für den Lebensunterhalt bleibt. Da wird jeder Euro zweimal umgedreht, bis er ausgegeben wird. Oder auch nicht.Bei Familie Müller kommt erschwerend hinzu, dass sich in der Vergangenheit ein gewaltiger Schuldenberg von 60.000 Euro aufgetürmt hatte - die Verlockungen der Warenhäuser waren im Laufe der Jahre allzu verführerisch. »Das haben wir über Jahre hinweg abgestottert«, sagt der heute 65-Jährige. »Man will seine Schulden ja begleichen.«So weit, so gut. Die großen Probleme kamen, als er schließlich wegen gesundheitlicher Probleme in Frührente gehen musste und somit deutlich weniger Geld zur Verfügung stand - so wenig, dass die restlichen Schulden nicht mehr getilgt werden konnten. Die Inkasso-Büros interessierte das nicht, sie drohten und machten weiter massiv Druck auf das Ehepaaar Müller - und das, obwohl ihnen die Rentenbescheide vorlagen und offensichtlich war, dass nichts zu holen ist.»Auch jemand, der Schulden hat, hat Rechte«, kommentiert Monika Schiffer das »Kesseltreiben« der Inkassobüros. »Die versuchen, das Ehepaar wie eine Zitrone auszuquetschen und ihnen Kleinstraten aufzudrängen. So soll beispielsweise eine Forderung von 2.500 Euro mit monatlichen 10-Euro-Raten abgestottert werden.«»Tatsache ist«, so die Leiterin der Verbraucherzentrale, »dass das Einkommen des Ehepaares weit unter dem Pfändungsfreibetrag ist. Deshalb ist es nichts anderes als Schikane, allerlei Maßnahmen anzudrohen bzw. Kleinstraten zu verlangen. Wenn man darauf eingeht, kann man vielleicht nachher die Miete oder die Stromrechnung nicht mehr bezahlen. In solch einer Situation muss man sich unbedingt auf die wesentlichen Dinge konzentrieren.«Sie hat inzwischen die Inkassobüros angeschrieben und zumindest eine Stundung für ein Jahr erreicht. »Für die Betroffenen - Familie Müller ist ja kein Einzelfall - hat das auch den Vorteil, dass dieser wenig erfreuliche Schriftverkehr nunmehr über die Verbraucherzentrale abgewickelt wird.«In solchen Fällen gelte es also: Nerven behalten und zur Schuldnerberatung bzw. zur Verbraucherzentrale gehen. Letztere hat auch ein kostenloses Infoblatt über Einsparmöglichkeiten, die gerade bei kleiner Rente sehr hilfreich sein können.Verbraucherzentrale Euskirchen, Wilhelmstraße 37 in 53879 Euskirchen, Tel. 02251 / 52395.

 

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