Schüler werden zum »wertvollen Gut«

Nettersheim. »Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss«, wusste schon Wilhelm Busch in »Max und Moritz« zu berichten. Doch damit enden schon die Gemeinsamkeiten zwischen einst und heute. Denn während die beiden Rüpel noch die Schule im Dorf besuchen konnten, stehen die Eltern heute vor der Wahl, wie und vor allem wo ihre Kinder was lernen sollen.

Diese Entscheidung treffen sie in den nächsten Tagen, wenn sie ihre Kinder an den weiterführenden Schulen im Altkreis Schleiden anmelden. Das Anmeldeverhalten der Eltern und ihrer Kinder wird auch von den Schulleitern und Schulträgern im Altkreis Schleiden mit Spannung erwartet. Schließlich sind die Schülerzahlen seit Jahren rückläufig und werden es auf absehbare Zeit auch bleiben. Und damit wird der Schüler an sich zu einem wertvollen Gut, von dem abhängt, ob an einer Schule eine, zwei, drei oder im schlimmsten Falle keine Eingangsklasse gebildet werden kann. Nach wie vor haben die Eltern in der Region die Auswahl unter diversen Schultypen. Dazu zählen als Gymnasien das Hermann-Josef Kolleg in Steinfeld sowie das Gymnasium »Am Turmhof« in Mechernich sowie die Gemeinschafthauptschule in Hellenthal. In der Schulstadt Schleiden wird an zwei Gymnasien (Clara-Fey und Städtisches) sowie einer Real- und einer Hauptschule Unterricht erteilt. Besondere Spannung bezieht das diesjährige Anmeldeverfahren aus der Tatsache, dass die Eltern bei der Wahl der weiterführenden Schule auch über die Einführung von zwei neuen Schultypen entscheiden. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres 2013/14 soll es an den Standorten Blankenheim und Nettersheim eine neue Gesamtschule geben. Diese Schule soll künftig die bestehenden Hauptschulen in Blankenheim und Nettersheim sowie die Realschule Blankenheim ersetzen. Um an den Start gehen zu können, benötigt die neue Gesamtschule mindestens 100 Anmeldungen. »Diese Anmeldungen«, erläuterte der Nettersheimer Bürgermeister Winfried Pracht, »müssen aus dem Einzugsgebiet der Schule, also den Kommunen Blankenheim, Nettersheim sowie Dahlem, kommen.« Erst danach sei es möglich, dass auch Eltern aus benachbarten Kommunen ihre Kinder anmelden. Maximal dürfen 116 Anmeldungen entgegen genommen werden. Der Blankenheimer Bürgermeister Rolf Hartmann ist vorsichtig optimistisch, dieses Ziel erreichen zu können. Schließlich lagen für die gescheiterte Sekundarschule seinerzeit 124 Anmeldungen vor und auch die intensiven Gespräche mit den Eltern gäben Anlass zur Hoffnung. »Letztlich«, so Winfried Pracht, »kommt es darauf an, ob die neue Schule in der Bevölkerung akzeptiert wird.« Die Gesamtschule sei jedenfalls die letzte Chance, auf Dauer eine relativ wohnortnahe Schule zu erhalten. Sollte sie an zu geringen Anmeldezahlen scheitern, würden die bestehenden Schulen solange weiter existieren, bis die erforderlichen Schülerzahlen nicht mehr erreicht werden - und dies könne sehr bald der Fall sein. Laut Rolf Hartmann umfasst die neue Gesamtschule in der Sekundarstufe I die Klassen 5 bis 10, die künftig am neu sanierten Standort des Schulzentrums unterrichtet werden. Die Sekundarstufe II, gymnasiale Oberstufe, umfasst die Jahrgangsstufen 11 bis 13. Diese Schüler werden dann in sechs Jahren im Gebäude der jetzigen Hauptschule Nettersheim unterrichtet. Ebenfalls neu etabliert werden soll zum kommenden Schuljahr die Sekundarschule Mechernich/Kall. An dieser Schule werden die Abschlüsse von Haupt- und Realschule in der Sekundarstufe I angeboten. Die Schule selbst teilt sich auf die beiden Standorte Mechernich und Kall auf und soll die beiden Hauptschulen in Mechernich und Kall sowie die Realschule Mechernich ersetzen. Das Abitur kann dabei in Kooperation mit dem städtischen Gymnasium »Am Turmhof« absolviert werden. Auch dieser neue Schultyp ist auf entsprechende Anmeldungen angewiesen. 75 müssen es am Standort Mechernich, 50 am Standort Kall sein. Der Mechernich Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick sieht in der Sekundarschule den Weg zur »optimalen Förderungen unserer Schüler« und hofft auf das Vertrauen von Eltern und Schülern. Derweil macht eine Elterninitiative mobil gegen die Sekundarstufe. Sie will die Realschule Mechernich unbedingt erhalten und weist darauf hin, dass die neue Sekundarschule endgültig ersten dann genehmigt ist, wenn die entsprechenden Anmeldezahlen erreicht wurden. 

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