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Wird Daun Kaderschmiede für Ärzte?

Politik berät über Stipendien und Lehrkrankenhaus

Daun. Das Maria Hilf Krankenhaus kann Lehrkrankenhaus eines Hamburger Medizin-Campus werden. Man hofft, so junge Mediziner an die Vulkaneifel zu binden.

Nicht erst seit der Schließung der Chirurgie des St. Elisabeth-Krankenhauses in Gerolstein ist klar, dass die ärztliche Versorgung im Landkreis Vulkaneifel – wie in vielen anderen ländlichen Regionen – Sorgenfalten auf die Stirn treibt.  Einer der Gründe: Auf das Land zu ziehen ist für die meisten jungen Ärztinnen und Ärzte schlichtweg unattraktiv. Die alternativen Angebote sind meist wesentlicher interessanter. Schon im Januar 2020 beriet der Kreisausschuss für Gesundheit, Demografie und Kultur darüber, ob und wie der Landkreis Medizinstudierenden Stipendien anbieten könnte. Voraussetzung sollte sein, dass sich die angehenden Ärztinnen und Ärzte nach Abschluss des Studiums für einige Jahre in der Vulkaneifel niederlassen. Der Ausschuss beauftragte die Kreisverwaltung schließlich damit, einen Masterplan für die Förderung des ärztlichen Nachwuchses und die Landarztproblematik aufzustellen.

Am kommenden Montag wird der Ausschuss über die Ergebnisse der Verwaltungsarbeit diskutieren. So hat sich die Kreisentwicklung im vergangenen Jahr um eine Kooperation zwischen einem der beiden Krankenhäuser in Daun oder Gerolstein mit einer medizinischen Fakultät bemüht. Ziel war es, dass eines der Häuser als akademisches Lehrkrankenhaus einer Universität anerkannt wird. Das geht aus der Verwaltungsvorlage für die Ausschussberatungen hervor.

Die staatlichen Universitäten in der Region zeigten allerdings kein Interesse. Fündig wurde die Kreisverwaltung schließlich in Hamburg. Der private »Universitätsmedizin Neumarkt am Mieresch Campus Hamburg« (UMCH) möchte seine Studierende künftig gerne zur praktischen Ausbildung in die Eifel schicken. Der UMCH ist eine Niederlassung der staatlichen »Universität für Medizin, Pharmazie, Naturwissenschaften und Technik Neumarkt am Mieresch« in Rumänien. Auf dem privaten Hamburger Campus können Interessierte Medizin studieren, ohne einen Numerus clausus vorweisen zu müssen.

Der Vertrag ist bereits abgestimmt

Auch die Geschäftsführung des Dauner Krankenhauses Maria Hilf zeigt sich an der Kooperation interessiert. Dazu sind laut Kreisverwaltung seitens des Krankenhauses noch einige Voraussetzungen zu schaffen. Doch in Gesprächen zwischen dem UMCH und dem Krankenhaus wurden inzwischen die letzten Fragen geklärt und der Vertrag für das künftige Lehrkrankenhaus laut Kreisverwaltung abgestimmt. Demnach wird das Krankenhaus künftig jährlich mindestens fünf Ausbildungsplätze für Studierende der UMCH zur Verfügung stellen.

Die Kreisverwaltung sieht in der geplanten Kooperation einen großen Vorteil für die Vulkaneifel, das Krankenhaus und die gesamte Region. Denn wenn das Krankenhaus Maria Hilf als akademischen Lehrkrankenhaus anerkannt wird, können Medizinstudierende einen Teil ihres Studiums – unter anderem ihr Praktisches Jahr – vor Ort absolvieren. Zum einen erhofft man sich davon einen deutlichen Prestigegewinn. Zum anderen setzt man darauf, dass die jungen Mediziner dadurch langfristig an den Landkreis Vulkaneifel gebunden werden. Für die medizinische Versorgung in der Vulkaneifel ergibt sich noch ein weiterer Vorteil. Denn der Landkreis soll künftig Studienplätze an der UMCH für Stipendiaten reservieren können. Das eröffnet die Möglichkeit, dass der Kreis Teil- oder Vollstipendien an Studieninteressierte aus dem Landkreis Vulkankreis vergeben kann.

Im Gegenzug müssen sich die Studierenden dazu verpflichten, nach ihrem Studium eine gewisse Zeit im Landkreis als Mediziner zu praktizieren. Die Verwaltung schlägt vor, dass ein Teil-Stipendium zum Studium an der UMCH in Höhe von 4.000 Euro pro Semester ausgelobt wird. Die Förderdauer soll maximal zwölf Semester betragen.Anschließend soll der Stipendiat mindestens zehn Jahre als Haus- oder Krankenhausarzt im Landkreis Vulkaneifel tätig sein. Über den Vorschlag hat nun die Politik zu beraten. Die Geschäftsführung des Dauner Krankenhauses jedenfalls möchte den bereits vorliegenden Kooperationsvertrag erst unterzeichnen, wenn sich der Landkreis für die Vergabe dieser Stipendien entscheidet, so die Kreisverwaltung.

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm wurde ein ähnliches Modell vor Kurzem erstmals in die Praxis umgesetzt. Zwei junge Bewerberinnen hatten den Zuschlag für ein Stipendium bekommen – unter der Voraussetzung, einen Medizinstudienplatz im Ausland zu ergattern. Insgesamt hatten sich neun Interessierte um die Stipendien beworben.

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Kommentar von Ureifler
Kaderschmiede? Gut das hinter der Überschrift ein Fragezeichen steht.
In Wikipedia steht als Begriffserklärung für Kaderschmiede

"Kaderschmiede, hergeleitet von Kader, werden häufig umgangssprachlich Bildungseinrichtungen genannt, in denen zumeist spätere Angehörige einer Macht-Elite, etwa in Politik oder Wirtschaft, studieren. Insbesondere Spitzenuniversitäten werden häufig als Kaderschmieden bezeichnet"

Einfach mal kleinere Brötchen backen. Hier gibt es keine Kaderschmiede und hier gibt es keine Vorreiter.