Von der Pilgerherberge zum modernen Krankenhaus

Boppard. Es war ein weiter Weg von der Pilgerherberge zum hochmodernen Krankenhaus: Seit 750 Jahren hilft die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist Hilfsbedürftigen, Alten und Kranken in Boppard. Am vergangenen Samstag gaben sich die Gratulanten ein Stelldichein in der Stadthalle.

Selbst wenn keine offizielle Stiftungsurkunde aus dem Mittelalter existiert: Gefeiert wurde trotzdem. Am vergangenen Samstag wurde in einem Festgottesdienst in St. Severus und einem Festakt in der voll besetzten Stadthalle das 750-jährige Bestehen der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist in Boppard gefeiert.

Willi Nickenig, Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist begrüßte die Gäste und bedankte sich besonders bei den Mitarbeitern in den Einrichtungen. »Die Stiftung hat sich immer an den Sorgen und Nöten der Bürger orientiert«, so Nickenig. Dabei habe die Stiftung in den vergangenen 750 Jahren viele Veränderungen erfahren und sich seit Einzug der Borromäerinnen vor 150 Jahren in ein leistungsfähiges Krankenhaus verwandelt.

Dr. Michael Frauenberger, Heimatforscher und Ehemaliges Stiftungsmitglied, präsentierte kurzweilig die Geschichte der Stiftung vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Trotz umfangreicher Nachforschungen gebe es keine mittelalterliche Stiftungsurkunde für das Hospital zum Heiligen Geist, bedauerte Frauenberger. Stattdessen zeigten andere Quellen den Einsatz von Bopparder Bürgern für Pilger und Kranke im Mittelalter. Besonders würdigte er die Arbeit des früheren Bürgermeisters Alexander Stollenwerk, der sich nach 1945 besonders um die Stiftung und das Krankenhauses bemühte. Ebenso lobte Frauenberger die Borromäerinnen, die das Hospital auch während der Weltkriege nicht im Stich gelassen hatten.

Kurze Worte fanden die Gratulanten Joachim Mertes, Präsident des Landtags und Schirmherr der Jubiläumsfeier, Beigeordneter Reinhard Klauer in Vertretung für Landrat Bertram Fleck und Boppards Bürgermeister Dr. Walter Bersch. »Ihr macht euch Sorgen um eine fehlende Urkunde? Dann müssten wir uns erst Recht Sorgen machen«, scherzte Mertes.Festredner Prof. Dr. Fritz Beske dagegen schlug trotz Feierlaune ernstere Töne an. Der Leiter des Instituts für Gesundheits-System-Forschung zeichnete in seinem Vortrag »Die Entwicklung der Medizin im Wandel der Zeit« düstere Zukunftsbilder für das deutsche Gesundheitssystem. »Kleine Krankenhäuser haben keine Zukunft«, so Beske. Man müsse in den kleinen Kliniken Abstand davon nehmen, alles tun zu wollen und stattdessen kooperieren. Dabei lobte er die Stifung als gutes Beispiel, die sich zusammen mit den Krankenhäusern in Koblenz und Nastätten zum Stiftungsklinikum Mittelrhein zusammengeschlossen hat.

»Es wird nicht leichter«, so Falko Rapp, Vertreter des Stiftungsklinkums Mittelrhein zum Abschluss, » aber die Kraft der Vergangenheit wird uns helfen, Wege für die Zukunft zu finden.«

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