Sind Historische Nachbarschaften Kulturerbe?

Hunsrück/Nahe. Für die Historischen Nachbarschaften im Mittelrheintal wird aktuell ein Antrag zur Aufnahme ins immaterielle Kulturerbe der UNESCO vorbereitet. Damit soll diese einzigartige Form des sozialen und kulturellen Miteinanders gewürdigt werden.

Historische Nachbarschaften sind in vielen Orten des Mittelrheintals über mehrere Jahrhunderte als Ausdruck des sozialen Zusammenlebens und Zusammenhalts erhalten geblieben. Mit eigenen Grenzen, Strukturen, Regeln und Feierlichkeiten prägen sie jenseits staatlicher Aufgaben die Gemeinschaft in ihren Orten - bis heute.

Nachbarschaften erstmals Forschungsgegenstand

Mit einer Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO sollen auch neue Impulse für deren zukünftige Entwicklung gegeben werden. Das Institut für geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. wird die Historischen Nachbarschaften des Mittelrheintals erstmals als Forschungsgegenstand genauer untersuchen und die Nachbarschaften selbst dabei unterstützen, den Antrag zur Aufnahme in die Kulturerbe-Liste zu stellen.

»Ich bin froh, dass wir mit dem Mainzer Institut einen so renommierten Kooperationspartner zur weiteren Erforschung der Nachbarschaften gewinnen konnten«, freut sich der Bopparder Heimatkundler Jürgen Johann. Er war es, der das Potenzial für die Anerkennung zum immateriellen Kulturerbe erkannte und die Idee den Vertretern der Nachbarschaften im letzten Jahr präsentierte. Das Interesse war groß und so soll in diesem Jahr der Antrag zur Aufnahme in die Liste vorbereitet werden.

Unterstützung erhalten die Nachbarschaften zwischen Andernach und Bingen vom Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal. Dazu Verbandsvorsteher Frank Puchtler: »Die historischen Nachbarschaften sind eine einmalige und uralte Form des sozialen Miteinanders. In der aktuellen Lage der Corona-Pandemie kommt die Bedeutung der Nachbarschaften sehr deutlich zum Tragen. Daher begleiten wir gerne die Initiative mit Rat und Tat«. 

Antrag bis November

Neben dem »klassischen« Welterbe-Programm ist das immaterielle Kulturerbe ein weiterer Baustein der UNESCO zur Erhaltung der kulturellen Vielfalt weltweit. Ob Tanz, Theater, Musik, Bräuche, Feste oder Handwerkskünste - immaterielles Kulturerbe ist lebendig und wird von menschlichem Wissen und Können getragen. Es ist Ausdruck von Kreativität, vermittelt Kontinuität und Identität, prägt das gesellschaftliche Zusammenleben und leistet einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung.

Begleitet wird die Antragsstellung der Historischen Nachbarschaften durch Dr. Andrea Stockhammer, die im rheinland-pfälzischen Kultusministerium für die Liste des immateriellen Kulturerbes zuständig ist. Bis November muss das Antragsformular eingereicht sein. Mit einer Entscheidung ist dann im Jahr 2022 zu rechnen.

Beteiligungs- und Informationsformate werden entwickelt

Gemeinsam mit dem Institut für geschichtliche Landeskunde der Uni Mainz werden Beteiligungs- und Informationsformate entwickelt, um die zahlreichen Nachbarschaften einzubinden.Zentraler Baustein wird die gemeinsame Internetseite www.historische-nachbarschaften.de sein, auf der über den aktuellen Stand der Forschung und des Antragsverfahrens informiert wird.

In den nächsten Wochen werden zudem alle Nachbarschaften einen Fragebogen erhalten, um wissenschaftlich mehr über die historischen Nachbarschaften zu erfahren.

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