Platt in Amerika

Manni kallt platt. Die Backofenbauer aus Bell, die Mausefallenkrämer aus Neroth, die Steinguthändler aus Oberkail, die Kesselflicker aus Stotzheim und die Hausierer aus Speicher haben zur Legende gemacht, was noch im 19. Jahrhundert bittere Realität war. Aus Armut gingen viele Eifeler als fliegende Händler auf Wanderschaft.

Ihre Not kaschierten sie seit jeher mit Humor. Ein Story spielt im Paradies: Als Adam und Eva nach dem Sündenfall ihre Nacktheit erkannten und nach einem Feigenblatt verlangten, aber keines fanden, da soll bereits ein fliegender Eifelhändler hinter dem nächsten Busch aufgetaucht sein – und ihnen eins verkauft haben.

Die Speicherer behaupten von sich, dass welche aus ihrem Dorf als erste in Amerika gelandet seien. Also nicht Leif Eriksson, der Wikinger, und schon mal gar nicht Christoph Columbus. Denn als der in der Karibik landete, befanden sich bereits Hausierer aus Speicher auf der Insel.

Den Dialekt, der aus der Hütte der Eifeler in Hispaniola drang, belauschten die Conquistadores – und hielten ihn für Chinesisch. Was nachvollziehbar ist, denn der eine Speicherer sprach zum anderen: „Johann steh auf und bring mir meine Schuhe. Die Sonne scheint schon schön!“ Allerdings tat er das auf Platt und das klang so: „Schäng, stank opp, unn bräng meng Schohn: De Sonn schengk att schönn!“

Die Seeleute trauten ihren Ohren kaum, kein Zweifel: Das war Chinesisch! Diese Geschichte erklärt auch anschaulich, warum Columbus bis zu seinem Tod geglaubt haben soll, er habe den westlichen Seeweg nach Indien gefunden und sei dabei in China gelandet.

Eine andere Variante endet damit, dass die beiden Eifeler Händler Columbus schließlich doch aufklären, wo er gelandet ist und wo sie herkommen. Dann sollen sie ihm drei irdene Töpfe, zwei Mausefallen und ein Paar Hosenträger angedreht haben ...

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