Innovation: Komfort-Kanzel für Jäger

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VG Bernkastel-Kues. SALMTAL. In Salmtal hat Patrick Jonas das Start-Up »Zauberjagd« gegründet: Der Jungunternehmer entwickelt witterungsbeständige Luxushochsitze für anspruchsvolle Jäger mit Heizung, Klimaanlage, Energieversorgung und Bett.

Was heute Standard in Autos ist, hätte sich früher niemand ausgemalt - warum sollte das bei Hochsitzen anders sein? Patrick Jonas ist den Schritt gegangen und hat Jagdkanzeln mit Sitzheizung und anderem Komfort entwickelt. Seit Januar sind die Anlagen seines Start-Ups "Zauberjagd" in Salmtal auf dem Markt. Mit Solarpanels, die eine Stromversorgung ermöglichen, USB-Zugängen, um das Handy aufzuladen, Blitzableiter sowie mit Sicherheitsglas für Tageslichteinfall, Fußbodenheizung, Klimaanlage, Bett und Kühlschrank. Der gespeicherte Solarstrom speist zudem eine fernzusteuernde Außenbeleuchtung für einen sicheren Auf- und Abstieg in der Dunkelheit. Und noch ein Plus: "Außen sorgt eine Wildbergebeleuchtung für Helligkeit, um das erlegte Wild besser bergen zu können."

Wer seinen Jagdsitz optisch aufpeppen möchte, kann statt der Grundausstattung mit Kunstrasenteppich als Wandverkleidung und PVC auf dem Boden viele Materialien auswählen, die auch im Hausbau verwendet werden. Alle Kanzeln sind komplett verschließbar. Nicht einmal Wespen, Bienen oder Spinnen haben mehr eine Chance, weil die Box aus Aluminium-Waben, wie sie auch im Boots- und Flugzeugbau verwendet werden, absolut dicht sind. Eine Querbelüftung sorgt dabei für einen gleichmäßigen Luftaustausch. Auf- und abzubauen sind die Hochsitze ganz einfach, meint Jonas. "Man braucht drei Personen, einen Frontlader oder einen Teleskoplader". Die Montageanleitung wird mit 3D-Bildern geliefert.

Flexibilität mit der mobilen Variante

"Die Entwicklung wird weitergehen", blickt Jonas in die Zukunft. Nach der großen medialen Aufmerksamkeit für seine Idee, hat er viele Anregungen und Wünsche von Mountainbikern, Wanderern, Kletterern und anderen Outdoorbegeisterten erhalten. Daraus ist neben der Singel-Kanzel "Maria" (1.40 m auf 1.40 m) und der Schlafkanzel "Shawn" (1.40 m auf 2.20 m) mit ausklappbarem Bett der Plan für eine dritte Version entstanden: Eine mobile Variante, die auf ein Anhängergestell montiert wird und mit der Anhängerkupplung überall hin transportiert werden kann - ob für den Jagdausflug oder eben auch einfach eine Tour, bei der man ein Bett dabeihaben möchte. Sie soll im August auf den Markt kommen.

Derzeit tüftelt Jonas aus, wie in der Kanzel auch noch ein WC einzubauen ist. Bald soll es zudem die Möglichkeit geben, die Box mit einem zweiten Bett zu bestellen. Dabei hat der Komfort ursprünglich gar nicht den Ausschlag gegeben, eine neue Generation von Hochsitzen zu kreieren. Vielmehr ging es dem leidenschaftlichen Jäger vor allem um mehr Sicherheit. Sein Schlüsselerlebnis war ein Unfall: 2018 brach beim Aufstieg zu einer Jagdkanzel weit oben auf der Leiter eine morsche Holzsprosse ein und er verletzte sich schwer. Daraufhin begann der gelernte Kfz-Mechaniker 2019 Hochsitze aus Stahl zu entwickeln. "Mein Ziel ist es, die sicherste, innovativste und komfortabelste Reviereinrichtung zu bauen und das im Einklang mit der Natur."

Sein Vater half ihm dabei. In der heimischen Garage entwarfen sie den Prototyp. Zwei Jahre hat es bis zur Markteinführung gedauert. Im ersten halben Jahr hat Jonas 20 Stück verkauft, zwei liefert er nach Schweden und auch aus den USA und Kanada kamen bereits Anfragen. Der 36-Jährige betreibt das Geschäft neben seinem Hauptberuf als Verkäufer von Landtechnik in Wittlich. Das geht nur mit Unterstützung. Seine Frau Sandra führt das Büro, seine Schwester hilft bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, eine technische Zeichnerin, zwei Ingenieure, ein Elektriker und eine Designerin verstärken das Team. Ihre Zielgruppe sind mittelständische Unternehmer und Großindustrielle, die über einen eigenen Jagdbezirk und ein gewisses Budget verfügen, erklärt der Unternehmensgründer. Denn ein Luxushochsitz beginnt in der Grundausstattung bei 15.000 Euro. "Dafür kann er über drei Generationen genutzt werden und wird nicht reparaturbedürftig", stellt Jonas die Langlebigkeit heraus und betont: "Hundert Prozent made in Germany." Noch genauer: Komplett aus der Region.

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Sybille Schönhofen

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