Einstieg des Kreises scheint sicher

Cochem. Cochem-Zeller Parteien sind sich offenbar größtenteils einig, dass es zu einer kommunalen Beteiligung an den finanziell angeschlagenen Krankenhäusern Cochem und Zell kommen soll.

Die finanzielle Lage der beiden Krankenhäuser in Cochem und Zell ist äußerst angespannt. Seit Langem erwirtschaften die Kliniken keine schwarzen Zahlen mehr und seit der Corona-Pandemie müssen sie zudem noch Bettenkapazitäten freihalten und können deutlich weniger Operationen durchführen.

Die Situation ist offenbar so bedrohlich, dass sich beide Krankenhäuser an Landrat Manfred Schnur gewandt und dort um Unterstützung gebeten hatten (wir berichteten). Nach Informationen des WochenSpiegel wurde das Thema in den Vorstandssitzungen der Parteien behandelt. Nach WochenSpiegel-Recherchen sind mittlerweile alle großen Parteien im Kreistag für einen Einstieg der kommunalen Hand in eine Krankenhaus-Betreibergesellschaft.

Landrat Manfred Schnur bemüht sich seit Wochen, um eine Unterstützung der beiden Krankenhäuser. Gegenüber dem WochenSpiegel sagt er: "Es wäre schade und für unsere Bürgerinnen und Bürger und auch für den ländlichen Raum eine Katastrophe, sollten die Krankenhäuser aufgegeben werden müssen und nicht weitergeführt werden können. Deshalb müssen wir alles tun, damit dieses Szenario nicht eintrifft. Da sind auch wir als kommunale Familie gefordert, alle Lösungsmöglichkeiten zu diskutieren und zu prüfen - auch eine gemeinsame Gesellschaft -, um einen dauerhaften Bestand der Krankenhäuser zu sichern." Für die Verhandlungen sei es nach Meinung des Landrates wichtig, dass beide Häuser, also Zell und Cochem, erhalten bleiben.

Krankenkassen lassen mit Hilfe auf sich warten

Schnur habe in diesem Zusammenhang nach eigenen Angaben bereits vor Monaten erste Gespräche mit allen Trägern - den Alexianern in Münster, der Katharina Kasper ViaSalus Gruppe (beide Träger des Krankenhauses Zell) und den Marienschwestern in Berlin (Krankenhaus Cochem) - geführt. Schnur: "Dabei wurde offen über alle Punkte gesprochen. Interessant dabei war, dass alle Träger zu den Standorten stehen, ihre Verantwortung wahrnehmen wollen, aber auch für alle Möglichkeiten einer zukünftigen, wirtschaftlichen und bedarfsgerechten Lösung offen sind. Wichtig ist auch, dass bei jeder Lösung eine Standortgarantie für beide Häuser gegeben ist."

Wie dramatisch die aktuelle wirtschaftliche Situation der beiden Cochem-Zeller Krankenhäuser ist, belegen vertrauliche Unterlagen der beiden Häuser, die dem WochenSpiegel vorliegen. Darin heißt es wörtlich: "All diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass die beiden Träger über Jahre hinweg ein Defizit von jeweils 1,5 bis fünf Millionen Euro nur für die Grundversorgung in unserer Region aufgefangen haben." Verärgert sind die Verantwortlichen der beiden Krankenhäuser, so WochenSpiegel-Informationen, auch über die Krankenkassen. Denn das hohe Defizit sollte eigentlich von den Krankenkassen durch einen "Sicherungszuschlag" größtenteils ausgeglichen werden. Allerdings hätten die Krankenkassen diesen bislang noch nicht gezahlt. Warum ist nicht klar. Landrat Manfred Schnur hatte in dieser Angelegenheit vor Wochen den Vorstandsvorsitzenden der AOK angeschrieben, mit der "dringenden Bitte, den Sicherstellungszuschlag endlich an die Krankenhäuser auszuzahlen". Bislang wurden die Gelder, so WochenSpiegel-Informationen, aber noch nicht gezahlt.

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