Da war der Daumen ab

Forst (Eifel). Seit 17 Jahren produziert Albert Jung in Knebels Mosterei im Forster Ortsteil Molzig Apfelsaft. Eine Nebenbeschäftigung, die der Bürgermeister der VG Kaisersesch mit viel Herzblut ausübt und mit der er sich jetzt eine sehr schmerzhafte Verletzung einhandelte.

Als Albert Jung am Montag vergangener Woche seine neue Obstwaschanlage testen will, passiert es. Die Maschine läuft zwar nicht, befindet sich aber im sogenannten Automodus und das heißt, dass sie auch von alleine wieder anspringt. Und in diesem Moment hat er seine Hand in der Maschine, die ihm den halben Daumen seiner rechten Hand abreißt.

Höllische Schmerzen und eine OP unter Vollnarkose

"Ein Bedienungsfehler", so Jung, dem in diesem Moment direkt ein Gedanke durch den Kopf schießt: Kann ich jemals wieder Klavier spielen? "Schmerzen hatte ich keine. Der Körper war voller Adrenalin. Leider bleib die Suche nach dem abgerissenen Daumen erfolglos, denn der wurde von der Maschine regelrecht zerschreddert", schildert er den Unfall. Schnell fällt der Entschluss den Rettungsdienst zu verständigen, statt mit dem Auto in ein Krankenhaus zu fahren. "Nach 20 Minuten waren höllische Schmerzen da, aber der Rettungsdienst noch nicht. Das hat noch ein paar Minuten gedauert", beschreibt Jung das Warten auf Hilfe. "Der Notarzt hat schnell gehandelt und direkt den Kontakt zu Krankenhäusern mit einer Handchirurgie hergestellt. So bin ich mit dem mittlerweile alarmierten Rettungshubschrauber in den Kemperhof nach Koblenz geflogen worden. Dort wurde ich dann unter Vollnarkose operiert", fasst der Molziger seine schmerzhaften Erlebnisse zusammen. Fakt ist, dass ihm jetzt der obere Teil des Daumens der rechten Hand – inklusive Gelenk – fehlt. "Zum Glück ist die Greiffunktion nicht vollständig weg. Ich muss halt eine neue Motorik verinnerlichen. Deshalb hab‘ ich mich zu Hause auch schon mal ans Klavier gesetzt. Was der Daumen machte, muss halt jetzt ein anderer Finger machen. Vielleicht hilft auch eine Kurzprothese", schaut Albert Jung optimistisch in die Zukunft. "Es hätte ja auch schlimmer kommen können und ich kann es ja auch nicht mehr ändern. Meine dienstlichen Aufgaben sind dadurch ja auch nicht großartig eingeschränkt", sagt der VG-Bürgermeister und macht sich nach Koblenz zum Verbandswechsel auf.

Die Verletzung hat die Passion nicht geschmälert

Die Freude an der Produktion von Apfelsaft hat ihm die Verletzung aber nicht genommen. Im September gehe es wieder los, spricht er ohne Vorbehalt über seine Passion, die ihm bereits in die Wiege gelegt wurde. "Mein Urgroßvater hat vor mehr als 110 Jahren Apfelbäume gepflanzt und hier schon Apfelsaft und Viez produziert. Seine Bäume tragen übrigens heute noch Äpfel. Die Früchte werden weder mit Pflanzenschutzmitteln noch mit Chemie behandelt und wachsen völlig natürlich auf meinen Obstwiesen. Also pflege ich die Familientradition. Zum anderen unterstütze ich damit alte Apfelsorten und erhalte die Ästhetik der Landschaft. Jeder Baum bekommt einen Wert und wird durch seine Nutzung geschützt. Ein Baum ist auch immer ein Generationvertrag", beschreibt Albert Jung seine Motivation, die ihm auch ein fehlendes Stück Daumen nicht nehmen kann.

Foto: privat

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