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Wildburg bald Hare-Krishna-Tempel?

Treis. Zwei historische Burgen im Moselort Treis-Karden wechselten vor sechs Wochen den Besitzer. Der neue Besitzer hat weniger etwas mit historischer Bausubstanz am Hut, dafür mehr mit spirituellen Begegnungen.

Seit 2017 werden die "Wildburg" und die "Burg Treis" schon zum Kauf angeboten. Doch jahrelang fand sich kein Interessent, der die historischen Mauern übernehmen wollte. Mal lag es an der schwierigen Zufahrt, mal an der Nutzbarkeit. Doch nun, drei Jahre seitdem das außergewöhnliche Immobilien-Angebot auf dem Markt ist, hat ein schwerreicher Russe "zugeschlagen". Nach Informationen unserer Zeitung haben die beiden Immobilien, mit einem großen Areal zwischen Dünn- und Flaumbach, kürzlich den Besitzer gewechselt. Bei dem neuen Eigentümer der mehrere zehntausend Quadratmeter großen Fläche handelt es sich, so WochenSpiegel-Informationen, um einen "Hare-Krishna"-Mönch.

Nun stellt sich die Frage, ob die Anfang des zwölften Jahrhunderts errichtete "Wildburg" nun zum Pilgerort von "Hare-Krishna"-Jüngern wird oder der neue Eigentümer ganz andere Planungen mit den Burgen hat. Käufer des Anwesens im beschaulichen Dünnbachtal ist der Multimillionär Alexander Dragilev, ein aus Israel stammender Russe mit Wohnsitz in England. Dieser Umstand sorgt aktuell auch für hektische Betriebsamkeit im Gemeinderat von Treis-Karden. Der Rat prüft, so Informationen des WochenSpiegel, ob ein gemeindliches Vorkaufsrecht genutzt werden soll.Leisten könnte sich die Gemeinde Treis-Karden die beiden Burgen allemal. Denn der Doppelort ist wirtschaftlich erstklassig aufgestellt. Dies hat die Gemeinde insbesondere dem Großunternehmen "Schnorpfeil" zu verdanken, das Jahr für Jahr durch glänzende Geschäfte Millionenbeträge an Gewerbesteuer an den Ort überweist.

Doch zurück zum neuen Besitzer der beiden Burgen. Der kennt sich bereits mit historischen Denkmälern aus. Im Jahr 2011, so ergaben Recherchen unserer Zeitung, hat Dragilev eine historische Burg in Süddeutschland für einen Millionenbetrag erworben. Anschließend war die Burg "Möckmühl" bei Heilbronn lange Zeit ein sogenanntes "Ashram". Darunter versteht man einen Tempel der "Sri Chaitanya Saraswat Math"-Bewegung, einem Teil der "Hare-Krishna"-Glaubensgemeinschaft.

1,5 Millionen Euro für zwei Burgen

Doch offenbar verlor Dragilev die Lust an der Burg "Möckmühl" schnell, denn 2017 veräußerte er sie bereits wieder. Nun hat er offenbar Gefallen an der Mosel und den beiden Burgen hoch über der Ortschaft Treis-Karden gefunden.Denn Mitte Juni wurde, so Informationen des WochenSpiegel, im Aachener Notariat Dr. Marcus Sommer der Kaufvertrag für die beeindruckende Immobilie geschlossen. Die bisherige Eigentümerin, eine Grundbesitz GmbH & Co. KG der Millionärs- und Marmeladen-Unternehmerfamilie Johnen, übertrug in der Urkunde des Notars die beiden historischen Burgen und größere Waldflächen in einer Größenordnung von mehr als 100.000 Quadratmetern an Alexander Dragilev aus London. Kaufpreis: Rund eineinhalb Millionen Euro.

Macht Ortsgemeinde ihr Vorkaufsrecht geltend?

Dragilev besaß bereits in Süddeutschland eine historische Ritterburg, betrieb darin Jahrelang ein Yoga-Institut und ein "Hare-Krishna"-Zentrum. Wird dies auch in Treis-Karden der Fall sein? Noch hat sich Dragilev selbst nicht dazu geäußert. Klarer hingegen scheint zu sein, woher der "Hare-Krishna"-Mönch so viel Geld hat. Nach Recherchen des Cochemer-WochenSpiegel hat der 56-jährige Russe nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mit dem Verkauf von asiatischen Kunstgegenständen und Souvenirs ein Vermögen verdient und so ein Imperium aufgebaut. Von der Hälfte seiner Firma soll er sich offenbar getrennt haben und lebt nun als Frührentner und "Hare-Krishna"-Mönch im äußersten Westen Londons, im Stadtteil Heathrow. Dort betreibt er in einer zum Wohnhaus umgebauten Kirche, unweit des internationalen "Heathrow Airports", das "Bhakti Yoga Institute". Und bald will er vermutlich öfters in Treis-Karden seine Zeit verbringen oder seine "Jünger" dort empfangen.

Für die Gemeinde Treis-Karden wirft der Neubürger Fragen auf. Ortsbürgermeister Hans-Josef Bleser bestätigt, auf Anfrage des WochenSpiegel, den Kauf der beiden Burgen. "Wir möchten mit dem Herrn ins Gespräch kommen und haben mit der Verbandgemeinde zusammen einen Telefontermin in dieser Woche vereinbart", so Bleser auf Anfrage. Dort möchte sich der Treis-Kardener Bürgermeister informieren, was der Multimillionär aus Großbritannien mit den beiden Burgen vorhat. Erst dann wird die Ortsgemeinde entscheiden, ob sie gegebenenfalls von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch macht. "Wir wollen die Burgen nicht so sang- und klanglos an uns vorbeiziehen lassen", so Bleser gegenüber dem WochenSpiegel.

VG-Bürgermeister Wolfgang Lambertz wollte sich auf Anfrage des WochenSpiegel nicht zu Details in dem Fall äußern und verwies auf die Ortsgemeinde. Am 20. August, 19.30 Uhr, findet in der Aula der Realschule plus in Treis-Karden eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. Dort soll das Thema Vorkaufsrecht der beiden Burgen und dem rund 100.000 Quadratmeter großem Grundstück behandelt werden.

Auch der WochenSpiegel hat versucht, Kontakt zu dem Burgenkäufer Alexander Dragilev zu bekommen, was uns bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht gelungen ist. Bericht folgt!

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Kommentar von Eliane Hennig
Die Wildburg soll verkauft werden – an jemanden, der es sich anscheinend leisten kann, sie zu erhalten. Was ist daran verwerflich? Dass der Käufer möglicherweise eine Verbindung zur Hare-Krishna-Bewegung hat? Haben sich die Kritiker und Bedenkenträger mal informiert über diese Bewegung? Wenn nicht, empfehle ich die Ausführungen auf der Internetseite des Bistums Trier. Weiterhin empfehle ich, beim Lesen dort einen Vergleich zum Institut Christus König (Kloster Engelport) herzustellen.
Sehr viele der Ideen und Meinungen der Krishnas sind identisch mit dem, was im Kloster Engelport gelebt wird, dass man die Krishnas christlich abwertend als „Sekte“ tituliert, sei der Intoleranz der katholischen Institutionen geschuldet, die vor noch nicht allzu langer Zeit selbst evangelische Christen mit offener Ablehnung bezichtigten, dem falschen Glauben anzugehören. Hier schildere ich mein eigenes Erleben. Warum soll nicht am Flaumbach ein weiteres Zentrum entstehen, das sich der Spiritualität widmet? Ich fände diesen Kontrapunkt zu den sehr konservativen Christen im Kloster ziemlich spannend.
Außerdem würde ich die Art, wie katholisches Christentum zurzeit in meinem näheren Umfeld im Dorf „gepflegt“ wird, gern eintauschen gegen die Friedfertigkeit der Krishnas.
Kommentar von Lunipopuni
Das frage ich mich auch, kaum taucht ein "Fremder" am Horizont auf, der mal was anderes als eine Schnitzelbude aufmachen will, bricht im beschaulichen Ort Panik aus...
Kommentar von Dietmar Dorweiler
Komisch, warum prüft die Gemeinde erst jetzt, ob sie das Vorkaufsrecht ausüben will.
Sie hätte die Burgen ja schon vorher kaufen können.