Drastische Strafen nach Fußball-Skandalspiel

Trier. Drakonische Strafen hat die Spruchkammer des Fußballkreises Trier-Saarburg unter der Leitung von Markus Kohl am Montag Abend gegen den SV Trier-West-Euren und zwei seiner Spieler verhängt: Nachdem der Schiedsrichter am vorvergangenen Sonntag die Kreisliga-B-Partie zwischen dem SV und der SG Saarburg/Serrig in der 65. Minute wegen Tumulten hatte abbrechen müssen, wurde nun eine dreimonatige Spielsperre für die beiden Seniorenteams des SV verhängt. Den Spieler, der einen Saarburger von hinten in die Genitalien trat, zog die Kammer gleich für zwei Jahre aus dem Verkehr.

 80 Minuten lang dauerte die Verhandlung am Montag Abend im Sitzungssaal der Europäischen Sportakademie in Trier, ehe das Urteil feststand. Mit hängenden Köpfen und konsterniert verließen die Trier-Wester Vertreter die Sitzung. Ob sie bei der nächsthöheren Instanz, der Bezirksspruchkammer, Berufung einlegen, war bei Redaktionsschluss ebenso wenig geklärt, wie die die gerüchteweise kursierende Frage, ob der Sportverein seine Seniorenmannschaften eventuell komplett und auf Dauer aus dem Spielbetrieb zurück zieht.

Wegen Wegschubsens seines Gegenspielers nach einem Foul und der Ansage "Ich hau´ Dir aufs Maul" wurden einem Trier-Wester von der Spruchkammer zudem drei Monate Sperre auferlegt. Derjenige, der einen Saarburger nach einer angeblichen Spuckattacke aus dem gegnerischen Lager von hinten in die Genitalien trat und letztlich damit Auslöser für den Spielabbruch war, sperrten Markus Kohl und seine drei Beisitzer zwei volle Jahre. Dass sich danach Tumulte auf dem Platz anschlossen, der Ordnungsdienst nicht funktionierte, Saarburger Akteure schon das ganze Spiel über massiv beleidigt worden waren und der Schiedsrichter bereits in der Halbzeitpause verbal angegangen wurde ("Du lebst hier gefährlich?"), ahndete die Kammer mit einem Spielverbot der ersten und zweiten Mannschaft bis einschließlich 26. November und einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro. Da es am vorvergangenen Wochenende bereits beim D-Liga-Spiel der Trier-Wester Reserve gegen den VfL Trier II zu Beleidigungen und schlimmen Aussagen gekommen war ("Beim nächsten Foul trete ich Dir die Knochen durch.") gab es hierfür weitere 200 Euro Strafe.

Die ursprünglich bis Ende November angesetzten Begegnungen mit Trier-Wester Beteiligung werden allesamt kampflos für den Gegner gewertet. "Die Chancengleichheit ist gegeben, weil somit jede Mannschaft einmal die Punkte am grünen Tisch erhält", so Markus Kohl in seiner Urteilsverkündung.

"Es gibt nur noch wenige Vereine, die gegen den SV Trier-West spielen und auch kaum noch Schiedsrichter, die Spiele dieses Vereins pfeifen wollen", berichtete Kohl. Auch entsprechende Strafen nach einem vom SV vcrursachten Spielabbruch in der Vorsaison und ein vom Fußballverband initiiertes Deeskalationsprogramm haben nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Wir bezweifeln, dass der SV Trier-West-Euren derzeit in der Lage ist, Fußballspiele ordnungsgemäß auszutragen", sagte der Spruchkammer-Vorsitzender ferner.

 

Kohl wollte in der Sitzung mit den Trier-Western auch Möglichkeiten ausloten, wie es künftig wieder geregelt zugehen kann bei Partien mit SV-Beteiligung. "Es liegt ab dem kommenden Frühjahr wieder an Euch zu zeigen, dass in Trier-West guter Fußball geboten wird und man sich auch darauf konzentriert."

 

Die Klub-Verantwortlichen um den Vorsitzenden Hans-Jürgen Lorig, die sich schon kurz nach dem Skandalspiel offiziell bei den Saarburg/Serrigern und dem Schiedsrichter für die Vorfälle entschuldigt hatten, wollen nun allzu negativ aufgefallenen Zuschauern nahe legen, nicht mehr zu den Heimspielen des SV zu kommen.

 

Dietmar Suder, Abteilungsleiter Fußball bei der TuS Fortuna Saarburg, empfand bei der Urteilsverkündung "keine Genugtuung". Er stellte aber klar, dass sein Team in dieser Saison auf keinen Fall mehr gegen den SV Trier-West angetreten wäre: "Viele unserer Spieler sind fast schon traumatisiert. Sie haben die Vorgänge noch nicht verarbeitet."

Der beim Tritt in die Genitalien verletzte Saarburger Spieler befinde sich weiter in ärztlicher Behandlung. Ob er Folgeschäden davon trägt, sei immer noch nicht endgültig auszuschließen.

Kreisvorsitzender Bernd Marx wollte das Urteil selbst nicht kommentieren ("Schließlich haben wir auch im Fußballkreis eine Gewaltenteilung."). Die Kammer habe sich aber intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt und die Vorfälle von Trier-West exakt aufgearbeitet, so Marx weiter. AA

 

 

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