Landwirte schlagen Alarm

Trier. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft Saargau fürchten um ihre Existenz und suchen das Gespräch mit der Politik.

Hans-Peter Wacht ist der Vorsitzende einer Interessengemeinschaft, in der sich rund 70 Landwirte und Winzer aus den Verbandsgemeinden Konz und Saarburg-Kell zusammengeschlossen haben. "Die Region wird sich komplett verändern", prognostiziert er und malt ein düsteres Bild für die Zukunft seines Berufsstandes. Er und seine Kollegen haben daher Vertreter der Landespolitik zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Sie wollen auf ihre Probleme aufmerksam machen.

"Völlig unrealistische" Darstellung

Vor allen Dingen die in ihren Augen "völlig unrealistische" Darstellung der Grundwasser-Situation ist den Landwirten ein Dorn im Auge. Laut Umweltbundesamt habe man auf der einen Seite das beste Trinkwasser der Welt, aber die nach Brüssel gemeldeten Grundwasserdaten seien die schlechtesten in Europa. Im Landkreis Trier-Saarburg werde Trinkwasser aus Grundwasserbrunnen gefördert, dessen Nitratwert weit unter dem Grenzwert liege. Dennoch werden diese Areale als "rote Gebiete" (schlechte Grundwasserqualität) ausgewiesen. Die Folgen dieser Einstufung sind eine weitere Reduktion der Düngung. Die derzeit geplanten Verschärfungen, längeren Sperrfristen oder das Verbot der Herbstdüngung auf Ackerland und eine langfristige Düngermenge von 80 Prozent des Bedarfs führen laut den Bauern auch bei biologisch wirtschaftenden Betrieben zu starken Verlusten.

"Das ist ein Hilferuf"

Die Aufgabe der Viehhaltung wird laut Interessengemeinschaft zu einer gravierenden Änderung der Kulturlandschaft führen. Und auch das Klimaziel der verstärkten Speicherung von CO2 im Boden durch die Landwirtschaft sei so unmöglich zu erreichen. "Es geht um die Identität einer Region. Das ist ein Hilferuf", betont Dieter Schmitt. Der frühere Landtagsabgeordnete und langjähriger Kreisbeigeordnete unterstützt die Landwirte bei ihrem Vorhaben.

Verbindliche Standards gefordert

Letztendlich fragen die Landwirte, wer die Nahrungsmittel erzeugen, die Kulturlandschaft pflegen und das Dorfleben in Gang halten soll, wenn die letzten Höfe ihre Tore schließen müssen. Schätzungen zufolge werde es im Jahr 2030 bundesweit nur noch etwa 10.000 Milchkuhbetriebe geben, sagt Wacht. Er und seine Kollegen fordern beispielsweise verbindliche Standards für die Auswahl, Probennahme und die klare Zuordnung zur Landnutzung bei der Festlegung von Probestandorten zur Nitratmessung.

Freiwillige Umweltleistungen

Gleichzeitig verweisen die Landwirte auf die freiwilligen Umweltleistungen, die sie schon erbringen, wie die Anlage von Blühflächen zur Förderung der Insektenvielfalt oder die Umstellung einzelner Betriebe auf ökologische Wirtschaftsweise. "Wir müssen von der Basis Druck aufbauen", sagt Hans-Peter Wacht. Die Landwirte wollen auch im Kreistag und in den Verbandsgemeinden auftreten. Wacht ist enttäuscht, dass nicht alle eingeladenen Parteien einen Vertreter geschickt haben. "Aber wir werden auf jeden Fall weiter protestieren", kündigt er an.

MW

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.