Wird das Freibad zur Konfliktzone?

Trier. Werden Freibäder zu neuen Konfliktzonen? Diese Frage stellt sich angesichts der überregionalen Ereignisse, so zum Beispiel jüngst im Rheinbad Düsseldorf, das nach wiederholten Tumulten bereits mehrfach geräumt werden musste. Doch wie ist die Situation in der Region?

"In der Region Trier haben wir nichts Vergleichbares", sagt Uwe Konz, Pressesprecher der Polizeiinspektion (PI) Trier. Zwar werde die Polizei immer wieder zu Einsätzen in Freibädern gerufen, dabei handele es sich aber zumeist "nur" um Diebstahlsdelikte sowie leichte Körperverletzungen. Ähnliches berichtet auch Dieter Wiegand, stellvertretender Leiter der PI Schweich: "Vorfälle wie in Düsseldorf sind uns nicht bekannt. Hier sind die Leute ziemlich friedlich."  Dieser Tenor zieht sich durch sämtliche Polizeidienststellen der Region. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nicht jeder Vorfall zur Anzeige gebracht wird. Viel zu tun hatten die Beamten in Freibädern nicht.   

Respektlosigkeit nimmt zu 

Weitaus herausfordernder ist die Situation für das Badpersonal vor Ort. "Es wird immer schwerer, die Haus- und Badeordnung durchzusetzen", sagt beispielsweise Horst Quary, Bademeister mit langjähriger Berufserfahrung im Freibad Schweich. Seit mehreren Jahren beobachtet er eine zunehmende Respektlosigkeit gegenüber den Mitarbeitern des Schwimmbades. "Alles wird in Frage gestellt, über jede Entscheidung wird diskutiert", sagt Quary. Auch persönliche Beleidigungen habe er schon über sich ergehen lassen müssen. "Die Leute wissen es nicht mehr zu schätzen, so ein schönes Bad vor der Haustür zu haben", sagt er. "Das ist für sie zur Normalität geworden." Viel lieber würde er seine Zeit in die Sicherheit am und im Becken investieren, anstatt mühsam immer wieder Wortgefechte zur Durchsetzung einfachster Baderegeln zu führen.  

Grundsätzlich Amtsträger betroffen

Gleiches beobachtet auch Hartmut Heck, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil und ehemaliger Kriminalbeamter mit mehr als 40 Jahren Berufserfahrung. "Von dieser Entwicklung sind wir in Hermeskeil auch nicht verschont geblieben", berichtet er. Generell beobachte er eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft, die auch in den Freibädern zu spüren sei und von der grundsätzlich alle Amtsträger betroffen seien. "Noch sind es Einzelfälle. Es gab aber durchaus auch schon Situationen, bei denen wir die Polizei rufen mussten", so Heck weiter. Den entsprechenden Übeltätern erteile das Bad Platzverweise oder in besonders gravierenden Fällen auch Hausverbote. Bewährt habe sich zudem die gemeinsame Präsenz von Ordnungsamt und Polizei. Nicht verschweigen möchte er, dass es aufgrund der Existenz einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in der ehemaligen Hochwaldkaserne und der damit verbundenen hohen Präsenz dieser Personengruppe im Freibad bereits zu Konflikten kam. Als die Schwimmmeister beispielsweise in einem Fall die Haus- und Badeordnung durchsetzen mussten, sahen sie sich plötzlich mit einer größeren Gruppe konfrontiert, sodass zur Klärung der Situation die Polizei eingreifen musste. Bei solchen Maßnahmen müsse man bedenken, so Heck, dass man sich zwar mit den Störern beschäftigen, sogleich aber auch das Baden für die übrigen Gäste gewährleisten müsse.

Für die Trierer Freibäder meldet das Presseamt "alles ok". Zwar komme es gelegentlich zu Verstößen gegen die Haus- und Badeordnung, insgesamt aber sei "das für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Nord- und Südbad gut beherrschbar." 

Auf dem Land etwas entspannter 

Etwas anders ist die Situation in den Freibädern der ländlicheren Regionen des Kreises. Sowohl im Kylltalbad Kordel als auch im Panoramabad "Römische Weinstraße" Leiwen erleben die Mitarbeiter einen eher entspannten Arbeitsalltag. Christian Ubben, Schwimmmeister in Leiwen, kennt zumindest für "sein" Bad die Gründe: "Wir haben hier hauptsächlich Urlaubsgäste und überhaupt keine Probleme. Schlägereien und andere Formen von Gewalt finden hier nicht statt." Etwas mehr zu tun gibt es im Freibad Mertesdorf. Betriebsleiter Dietmar Theis hat in den vergangenen Jahren zwar eine steigende Respektlosigkeit wahrgenommen, insgesamt aber "geht es eigentlich ganz gut", wie er berichtet. Zwar sei er auch schon bedroht worden, dies käme allerdings nur wenige Male pro Saison vor.

JK

 

 

 

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