Wie gefährlich ist der Waldracher Funkmast wirklich?

Waldrach. Wolfgang Bick lässt nicht locker. Mehrfach hat er auch in jüngster Vergangenheit auf mögliche Zusammenhänge zwischen den Strahlungen einer in unmittelbarer Nähe zu seinem Wohnhaus in Waldrach stehenden Funkmastanlage und Krebserkrankungen in der Nachbarschaft hingewiesen. Bei der Forderung nach einem neuen Standort stößt er derweil (noch) auf taube Ohren.

"Mitte der siebziger Jahre wurde die Anlage gebaut, damals nur für den Fernsehempfang. Mittlerweile nutzen einige Mobilfunkanbieter denMast", berichtet Wolfgang Bick, der im Leiengartenund damit direkt unter dem Standort in der Thommer Straße wohnt. Einst wurde die Anlage außerhalb von Waldrach errichtet, die inzwischen entstandenen Häuser sind im Laufe der Jahre in unmittelbare Nähe der Anlage gerückt... Gleich vier Krebserkrankungen zählt Wolfgang Bick in den vergangen zehn Jahren unterhalbdes Funkmastes. Seine Frau starb 2005 an einem Hirntumor. Auch er selbst war schon schwer erkrankt. "Die Vermutung liegt sehr nahe, dass der Krebs durch die erhöhten Strahlungen verursacht wird. Das hat auch der damals meine Frau behandelnde Professor durchblicken lassen", berichtet der 71-Jährige. Immer wieder hat er bei der Orts- und der Verbandsgemeinde auf den offenbaren Missstand hingewiesen, findet dabei auch Unterstützung durch Nachbarn, die aber nicht in der Öffentlichkeit erscheinen wollen. "Es hieß, dass man sich intensiv darum kümmern will, die Strahlen aktuell nochmal messen lassen möchte.

Leere Versprechungen

Vor der Kommunalwahl versprachen viele Politiker, die Sache nochmal zu prüfen. Passiert ist bis jetzt aber noch nichts...", meint Bick verständnislos. Bernhard Busch, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer, bestätigt, dass der Mast, der sich im Eigentum der Deutsche Telekom Immobilien und Service GmbH befindet, verschiedentlich auf- und umgerüstet. Die ursprünglichen Antennen für Fernsehsender (ARD, ZDF und SWR) wurden abgebaut. Stattdessen wurden im Laufe der Jahre verschiedene weitere Antennen zum Mobilfunkbetrieb aufgerüstet. Nach aktuellem Stand befinden sich insgesamt 14 Antennen darauf, von unterschiedlichen Betreibern und mit unterschiedlicher Sendestärke. Der VG-Chef hat Folgendes recherchiert: "Die aktuell gültige Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur stammt aus dem Jahre 2010. Seitdem hat es keine Veränderungen mehr gegeben. Die Grenzwerte, die für die Aussagen der Bundesnetzagentur Grundlage sind, sind seit 1997 unverändert.

Jährliche Überprüfung der Grenzwerte

Das Bundesumweltamt überprüft im Rahmen seines Auftrages der Gesundheitsvorsorge jährlich diese Grenzwerte, ohne dass es bislang zu einer Änderung gekommen wäre. "Trotz der Legalität der Anlage und der zuletzt gemessenen niedrigen Belastungswerte wurde der VG laut Busch durch die Struktur und Genehmigungsdirektion Nord zugesagt, sich für eine erneute Messung einzusetzen. Die Überlegungen, einen alternativen Maststandort zu finden, würden sich angesichts der Topografie Waldrachs und der umliegenden Ortsgemeinden als schwierig gestalten. Auch Telekom-Sprecher André Hofmann stützt sich nach Anfragedes WOCHENSPIEGELs auf die Einhaltung der Grenzwerte- und sieht den Standort in der Thommer Straße als alternativlos: "Uns wurde ein Grundstück in der Nähe der L149 angeboten, das nachPrüfung durch den Funknetzplanerals ungeeignet beurteilt wurde. Wir hätten durch diesen Standort mehrere Tausend Nutzer nicht versorgen können. Da die funktechnisch geeignete Alternative Sportplatz von der Gemeinde abgelehnt wird, bleibt es beim Status quo. Deshalb haben wir auch indie Standsicherheit des bestehenden Mastes investiert.Weiter Alternativen gibt es aktuell nicht. "Wolfgang Bick bleibt aber kämpferisch, zieht Vergleiche zu ähnlichen Anlagen in anderen Regionen, denen ebenfalls schädliche Strahlungen nachgesagt werden."Ich hoffe auf mehr Mitstreiterin Waldrach, so dass wir uns sogar zu einer Bürgerinitiative zusammen schließen können." AA

 Foto: Austria

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