Kreiskrankenhaus Saarburg: Zurück zur Normalität

Wirtschaftliche Talfahrt sei gestoppt

VG Saarburg. Das Kreiskrankenhaus St. Franziskus hat turbulente Monate hinter sich. Seit Oktober 2019 ist ein externer Krankenhausträger für die wirtschaftliche Sanierung und Neuaufstellung des unter damals 6 Millionen Euro Defizit leidenden Hauses verantwortlich. Die Coronakrise kam zwar nicht überraschend, hat aber die "Strukturen des Krankenhauses gehörig durchgerüttelt".

"Als wir im Kreiskrankenhaus die Geschäftsführung übernommen haben, sind wir auf Menschen gestoßen, die großes Interesse daran haben, das Haus wirtschaftlich und medizinisch voranzubringen", sagte Werner Schmitt, stellvertretender Geschäftsführer und Regionaldirektor Nord des Trägerunternehmens Landeskrankenhaus mit Sitz in Andernach. Über alle Hierarchien hinweg habe sich die Belegschaft in dieser Sache engagiert gezeigt und das, obwohl Externen sonst üblicherweise skeptisch gegenübergestanden werde, so Schmitt weiter. Auch der Landkreis Trier-Saarburg als Eigentümer des Krankenhauses ginge den Weg der Sanierung mit und lasse den Akteuren den notwendigen zeitlichen Spielraum.

Wirtschaftliche Talfahrt gestoppt

"Nach ersten Bewertungen können wir sagen, dass die wirtschaftliche Talfahrt gestoppt ist", erklärte Schmitt. Das Haus habe in den ersten drei Monaten des Jahres noch vor dem Lockdown eine hohe Nachfrage verzeichnet. Diese sei mit 180 Patienten höher gewesen als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Zudem habe man erst im Januar eine zweite psychosomatische Station in Betrieb genommen, die dann alsbald zur Fieberambulanz umfunktioniert werden musste. "In der schlimmsten Phase der Pandemie hatten wir 33 Betten belegt", sagte Matthias Gehlen, Verwaltungsdirektor im Kreiskrankenhaus St. Franziskus. Normal sei die Belegung von 140 der 200 verfügbaren Betten. Auch im Kreis Trier-Saarburg ist die Pandemie vergleichsweise glimpflich abgelaufen. Insgesamt sind in Saarburg zwölf mit Covid-19 infizierte Patienten stationär aufgenommen worden. Als die "Corona-Bugwelle" die Region erreichte, waren acht Patienten gleichzeitig in Behandlung. "Wir hatten hier keinen Todesfall. Alle Patienten konnten geheilt entlassen werden", so Gehlen.

Krankenhaus fährt wieder hoch

Schmitt betont, dass alle vom Krankenhaus getroffenen Maßnahmen ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Konsequenzen umgesetzt wurden. Innerhalb von 48 Stunden habe man die Fieberambulanz einrichten können. Insgesamt 700 Personen sind dort auf den Covid-19 Erreger getestet worden. Personal musste geschult, alle elektiven Behandlungen aufgeschoben werden, Teile des Krankenhauses wurden zu Isolierstationen. "Ich bin stolz, Teil dieses Teams zu sein", sagt Verwaltungsdirektor Gehlen. Erst kürzlich sei er nochmals durch alle Stationen gegangen und habe sich bei den Mitarbeitern für ihren Einsatz bedankt. "Jetzt fahren wir wieder hoch". Die Nachfrage sei gut, die Belegung besser als geplant, was sich auch finanziell mit "mehreren hunderttausend Euro" bemerkbar mache. Konkret: Derzeit versorgt das Krankenhaus 108 Patienten stationär (Stand 3. Juli 2020). Aufgrund der geringen Nachfrage ist die Fieberambulanz bereits am 30. Mai geschlossen worden. Bereits am 21. April wurde der vormals verhängte Aufnahmestopp in der Chirurgie wieder aufgehoben.

An dem wirtschaftlichen Erfolg dürften auch die Ausgleichszahlungen des Bundes, die sogenannte "Freihaltepauschale", ihren Anteil haben. Für jedes Bett hat das Krankenhaus so im Zeitraum März bis Juni 560 Euro erhalten. Diese Summe werde nun aber gemäß eines mehrstufigen Systems angepasst, sodass das Krankenhaus alsbald "nur" noch 460 Euro erhält.

Kooperation mit dem Brüderkrankenhaus Trier

Eine Neuerung ist die teleradiologische Zusammenarbeit mit dem Brüderkrankenhaus in Trier. Ziel ist die Anerkennung des Kreiskrankenhauses als Basisnotfallstandort mit der Möglichkeit, rund um die Uhr computertomographische (CT) Bilder anfertigen zu können. Hierzu ist das Haus mit der benachbarten Radiologischen Gemeinschaftspraxis eine Kooperation eingegangen. Das Personal des Krankenhauses kann fortan die Technik der Praxis nutzen, wobei die entstandenen CT-Bilder an die Fachärzte im Brüderkrankenhaus auf elektronischem Weg zur Auswertung übermittelt werden.

Weiterhin hält die Krankenhausführung am Aufbau einer neuen psychiatrischen Abteilung fest. Die Bewilligung für den ersten Bauabschnitt wird für das erste Quartal 2021 erwartet.

Insgesamt seien die Strukturen im Falle einer zweiten Corona-Welle gelegt und erprobt. "Die Bevölkerung kann Vertrauen in das Krankenhaus haben", unterstrich Werner Schmitt. "Auch hinsichtlich der wirtschaftlichen Sanierung sind wir auf einem guten Weg."

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